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Gastbericht von Thomas Haderer

Endlich war es soweit…..3 Wochen Angeln war angesagt.

Die ersten zwei Wochen verbrachte ich in Slowenien und Österreich. Es waren zwei sehr mühsame Wochen. Ich hatte zwar ein paar Karpfen gefangen, allerdings hatte ich mir doch etwas mehr vorgestellt.

Die dritte Woche sollte dann am Finzula bei Zagreb mit meinem Freund Werner stattfinden. Ich war schon zwei mal dort, wobei das erste Mal rein der Lokation und Informationsbeschaffung diente. Beim zweiten Mal ging es dann für eine Woche im Oktober 2011 an den besagten See wo wir ca. 60 Karpfen bis 23 kg fingen.

Ich dachte damals schon, dass es unglaublich sei was wir da geschafft haben, da am ganzen See zwar auch gefangen wurde, aber nicht die Menge und Größe…ob wir da wieder anknüpfen können? Mal sehen…

Ankunft Finzula…. wir wollten Anfangs die Seerosenseite befischen da der Wind meistens dieses Ufer trifft und die seichten Zonen im Frühjahr immer einen Versuch wert sind. Allerdings gab es in Rakitje seit Oktober 2011 keinen Niederschlag mehr und der See hat sich von der Austrocknung des letzten Sommers und dem daraus resultierendem Niederstand von 1 Meter nicht erholt. Somit fiel die Seerosenseite weg. Nach Absprache mit Zlatko dem Aufseher, beschlossen wir die Dammseite zu befischen, wo wir auch im Jahr zuvor erfolgreich waren und die Plätze noch gut in Erinnerung hatten.

Wir begannen also das Camp aufzubauen und legten uns gemeinsam eine Futterstrategie zurecht die in den kommenden Tagen für Aufruhr sorgen sollte. Wir angelten mit 3 Ruten pro Person, links und rechts von unserem Platz ragten Plateaus aus dem Wasser, die normalerweise 70 Zentimeter tief unter Wasser sind, die uns später noch einiges abverlangten. Halbkreisförmig fütterten wir auf maximaler Distanz ausschließlich mit dem Wurfrohr ca. 1kg 20 mm Boilies Monster Squid in Frozen, Black und Top Rod Ausführung. So konnten wir auf eine Fläche von gut 130 x 40 Metern einen Futterbogen errichten dem kein Fisch so schnell entkam und durch die ungewöhnlich weite Streuung des Futters konnten wir die Fische beschäftigen und am Platz halten ohne viel Futter zu brauchen.
Diese Methode schien uns hier sehr sinnvoll da die meisten  mit Raketen und Spomb anrücken und mit Hilfe einer Marker Rute sehr genau und punktuell füttern. Außerdem waren wir somit nicht an einen kleinen Futterplatz gebunden den wir bei Gegenwind vielleicht nicht erreicht hätten. Wir positionierten je 3 Ruten links und 3 rechts am Anfang und Ende des Futterbogens direkt im ca. 40 cm. tiefem Sand- Schlammgemisch, wo wir die Montagen direkt nach dem Wurf stecken ließen! Da die Fische ihre Nahrung dort sowieso immer im Schlamm suchen, werden sie auch unsere Köder  finden. Ich angelte mit einer simplen Helikopter Montage auf einem Diffusion Camo Leader und einem  Blow-out Rig am 4er Fang X. Alles ausgeworfen, gefüttert und aufgebaut, jetzt erstmal die ruhigen Abendstunden mit einem Bier genießen!

Oder nicht! – denn bereits nach wenigen Minuten kam der Startpfiff und Werner landete den ersten Fisch, ein hübscher, kräftiger Schuppi mit 10kg. Der erste Fisch einer Session muss natürlich abgelichtet werden, zurück gesetzt, ausgeworfen, eine Hand voll Baits mit dem Rohr verteilt und wieder in den Sessel zurück. Allerdings dauerte es nicht lange und meine Rute lief ebenfalls ab und so ging es dann den ganzen Abend weiter, bis ich um 1 Uhr morgens bereits ziemlich entkräftet einen Fisch drillte der mit Abstand größer als seine Vorgänger zu sein schien. Ich spürte nur wie sich ein dicker schwerer Körper durchs Wasser ziehen ließ und ohne viel Schnur von der Rolle zu nehmen langsam von links nach rechts und dann wieder zurück zog. Als Werner mit dem Kescher in den Händen neben mir stand, sah er den Fisch zuerst und meinte nur wir sollen ihn so schnell wie möglich keschern, da es ein Riese sei…ich dachte nur kein Stress – ein 15+, den machen wir vorher noch müde, aber als ich dann den wuchtigen Kopf des Spieglers die Wasseroberfläche durchbrechen sah, begannen meine Knie plötzlich zu zittern und wir landeten ihn behutsam im seichten Wasser vor uns.
Wir konnten es gar nicht fassen wir mussten den Fisch zu zweit aus dem Wasser heben und als die Monster Carp Cradle nahezu komplett ausgefüllt war musste ich mich erstmal hinsetzten! Ein wunderschöner 26,2 kg Siegler in der ersten Nacht! Monster Squiiiid !!!! schallte es durch die Dunkelheit. Es hatte 0 C° aber ein Wasserfoto ließ ich mir nicht nehmen… Nach der Fotosession ließ ich meinen neuen Personal Best wieder in sein Element zurück. Partytime!!!  Aber auch dazu kam es nicht wirklich da die Fische einfach nicht aufhörten auf unserem Futterplatz zu fressen. So kam es, das wir bereits in den ersten 24 Stunden 16  Fische fingen. Es macht wenig Sinn die folgenden Tage genau zu beschreiben, es blieb durchgehend unverändert und ich hab so eine Session noch nie zuvor erlebt. Wir hatten kaum Zeit zu Essen, Trinken oder Schlafen, wir waren durchgehend mit Drillen, Keschern, Rigs binden, Füttern und Werfen beschäftigt. Wir wollten, obwohl uns die vielen Fänge absolut an unsere körperlichen Grenzen trieben, keinen Fisch auslassen da es mittlerweile eher um 15+ Fische als um 10+ ging…

Am dritten Tag begann es abends zu regnen und der Wind wurde stärker, damit kamen noch mehr Bisse, bis ich um  04.20 Uhr einen Fisch im Regen drillte und bemerkte das es plötzlich saukalt wurde und der Regen sich langsam in Schnee verwandelte. Vorerst dachte ich, dass ich halluziniere aufgrund von Schlaf- und Essensentzug, aber als Werner aus dem Zelt kam bestätigte er mir das es wirklich schneit. Unfassbar, binnen einer Stunde hatten wir einen Temperatursturz von 14 C°. Das sollte dann zum Glück der letzte Fisch dieser Nacht sein und als ich am Morgen aus meinem Zelt kam traute ich meinen Augen nicht. Die zuvor grünen Berge sind in einen weißen Schleier gehüllt und auch unser Platz ist leicht angezuckert. Als allerdings die Sonne hinter den Wolken vorkam verschwand der Schnee so schnell wie er gekommen war und wie konnte es anders sein, die Fische bissen wieder. So kam es, dass wir mehrmals zwei oder gar drei Fische in Kescher, Release Sling und der Cradle hatten, als bereits der nächste Fisch biss. Wir hatten teilweise nicht mal Zeit die Fische zu fotografieren.

Wie auch in Nacht Nr. 5! Wir hatten bereits rund 60 Fische und Werner landete einen schönen 15+ Spiegler, ich wollte ihm gerade den Haken aus der Unterlippe nehmen als er plötzlich zu springen begann und mir mit einem Kopfschlag den 4er fang x bis zum Öhr in den linken Zeigefinger meiner Hand schlug. Werner löste sofort das Vorfach aus dem quick Change Wirbel und ließ den Fisch ohne wiegen und Foto zurück, was ich im Nachhinein echt schade finde. Jedenfalls stand ich vor der  Wahl, Krankenhaus in Zagreb oder Abbruch. Naja eine Möglichkeit hatte ich noch und so verzog ich mich in mein Zelt und desinfizierte erstmal die Wunde mit Fish Aid und griff dann zum Leatherman. Nach ca. einer Stunde Schmerz, Übelkeit,  Schwindel und Verzweiflung kam ich 3 Meter groß aus dem Zelt und Hielt den Haken in der Zange. Wir fahren nicht! In der Nacht drillte ich allerdings keinen Fisch mehr. Dafür konnte ich am nächsten Morgen einen Graser mit  10 kg ablichten.

Zitat Tagebuch: Es ist unglaublich! Wir kommen mit dem Eintragen der Fische nicht nach! Ich habe inzwischen meinen zweiten  20+ mit 21.10kg gefangen ein toller Spiegler, und mehrere Fische über 15kg, Tendenz steigend, ich muss Werners Liste kopieren!!! Ich werde ab jetzt nicht mehr mitschreiben…

Werner reiste nach 7 Tagen Hardcore fischen ab, auch er konnte mehrere Fische über 15kg und zwei über 20kg landen, davon ein toller Schuppi am Tag seiner Abreise! Aber ich konnte mal wieder nicht genug kriegen und so kam es das ich beschloss noch bis Montag zu bleiben. Mein Vater und mein Freund und Angelkollege Michi kamen übers Wochenende auf Besuch und konnten tatsächlich beide ihren Personal Best toppen. Noch nie zuvor ist eine Futterstrategie sowas von gut aufgegangen, die Lkw Fahrer die hinter unserem Platz mit Schotterladungen vorbeifuhren konnten nicht fassen das wir andauernd nur am Drillen waren und blieben später schon stehen und machten auch Fotos von unseren Fischen. Als später sogar der Vereinsobmann von Rakitje auf Besuch kam um gemeinsam mit ein paar anderen Anglern Einsicht in unsere Liste zu nehmen, wussten wir dass solche Fangorgien nicht an der Tagesordnung stehen .

Leider verloren wir auch einige Fische da das Wasser so seicht war und die Plateaus und Inseln von den Fischen sofort angesteuert wurden. Um genau zu sein wahren es 38 verlorene Fische! Allerdings konnten wir mit der Zeit die Fische immer besser in die Richtung lenken die wir für ideal hielten. Das hört sich vielleicht seltsam an, aber es ist eigentlich ganz logisch und vor allem in seichten Gewässern sehr gut umsetzbar. Angenommen ich angle ca. 20 Meter rechts von einer Insel und ich will das der Fisch dort nicht hinschwimmt, muss ich nach dem Run versuchen den Fisch nach links zu ziehen, also genau in Richtung Insel und in 90% der Fälle zieht der Fisch dann in die gegengesetzte Richtung also nach rechts und somit von der Insel weg…Mit diesem einfachen aber sehr wirkungsvollen Trick konnten wir einen Großteil unserer Fische gezielt durch das Labyrinth aus Inseln und Plateaus lenken, als würden wir mit ihnen Gassi gehen.

Jedenfalls konnten wir  von 30. März bis 9.April insgesamt  176  Fische fangen, davon 75 über 10 kg, 23 über 15kg,  5 über 20kg und davon einer mit 26,2kg. Ich werde diesen Trip niemals vergessen und alle die teilgenommen haben mit Sicherheit auch nicht. Die richtige Zeit, der richtige Platz, das richtige Futter, die richtigen Rigs, das richtige Wetter und die dazu passend richtige Futtertaktik. All das in einer Session zu vereinen scheint fast unmöglich aber das kommt eben noch das Quantum Glück dazu. Ich persönlich bin davon überzeugt das der großflächige Futterbogen und das hochwertige Futter für diesen Erfolg verantwortlich waren, es ist auf stark befischten Gewässern eben wichtig die Dinge anders anzugehen!

Tight lines und nur Dicke!

Thomas Haderer

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