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Saisonstart am Hauswasser

Es ist Anfang April und soeben wurde der erste Karpfen an meinem Hauswasser gefangen. Das kam mir genau richtig, stand doch ein verlängertes Wochenende vor der Tür. So stand ich zwei Tage später mit gepacktem Auto zur Abreise bereit. Die wenigen Minuten zum See vergangen wie im Flug. Es war ein vertrautes Gefühl, wieder an den Ufern dieses Sees zu stehen, obwohl der letzte Besuch doch schon fünf Monate zurück lag.

Ich wählte einen Platz meines Vertrauens und begann sehr rasch mit dem Aufbau des Camps, da die Gewitterwolken immer näher kamen. Danach begann die Spotsuche.

Da die Wahl des richtigen Spots bei unserem See das Um und Auf ist, stach ich mit Unterwasserkamera bewaffnet in See. Ich suchte junges, frisches Kraut, welches voll von Nahrung ist und wie ein Magnet auf unsere Fische wirkt.

Über zwei Stunden später hatte ich es endlich geschafft, vier interessante Spots zu finden. Bei der Rückfahrt zum Ufer konnte ich schon die ersten Regentropfen auf der Wasseroberfläche beobachten. Das Auslegen der Ruten dauerte gut eine Stunde. Bei der letzten schüttete es schon wie aus Kübeln.Mittlerweile begann es zu dämmern. Ich stärkte mich erst mal, ehe ich mich erschöpft in die Horizontale begab.Ob die Köder Funktionieren?Kurz vor Mitternacht riss mich mein Siren unsanft aus dem Schlaf. Ich war vorerst etwas verwirrt – hatte ich doch nicht so schnell mit einem Biss gerechnet. Ehe ich mich versah, stand ich mit krummer Rute im Boot und drillte den ersten Karpfen am Hauswasser im heurigen Jahr. Der Fisch lieferte einen ordentlichen Kampf, gab sich dann aber trotzdem geschlagen und lernte so meinen Kescher von innen kennen.

Es war ein schöner, zweistelliger Spiegler mit einem traumhaften Schuppenmuster. „Na das geht!“, dachte ich mir. Ein Start nach Maß! Ich entschied mich die Rute vorerst nicht mehr auszulegen, da ich keine Unruhe auf den Spot bringen wollte, lag ich doch mit der zweiten nur unweit davon entfernt. So begab ich mich wieder ins Land der Träume.

Der Schlaf sollte allerdings nicht von langer Dauer sein. Läutet mein Siren schon den nächsten Biss am zweiten Spot ein. Wahnsinn!

Es war also die richtige Entscheidung, die Rute vorhin draußen zu lassen.

Der Fisch zog langsam seine Bahnen am Grund und ließ sich vorerst nicht in Richtung Oberfläche pumpen. Normal ein Indiz für einen guten Fisch. Erst mit der Zeit konnte ich Zentimeter für Zentimeter an Schnur zurückgewinnen. Als ich den Fisch dann zum ersten Mal im klaren Wasser sehen konnte, begannen meine Knie zu zittern. Es handelte sich um einen richtig Guten. Meine Anspannung stieg. Auf mein Material war zum Glück Verlass und so umschlossen die Maschen meines Keschers den dicken Spiegler. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht steuerte ich das Ufer an. Ich benachrichtigte einen Kollegen, welcher am selben See angelte, um mir ein paar Fotos zu schießen. 5 Minuten später trabte er etwas verschlafen daher. Auch er staunte nicht schlecht, als ich den Karpfen aus dem Wasser hob. Beim Wiegen wurde mein Grinsen noch breiter, knackte der Spiegler die 20er Grenze doch locker. Nach etlichen Fotos überließ ich ihn dann wieder seinem Element.

Jetzt hatte mich der Ehrgeiz gepackt und ich legte meine zwei Ruten neu aus. Danach war erstmal Schlaf angesagt. Die Nacht passierte dann nichts mehr. Am nächsten Tag kühlte es stark ab und laut Wetterbericht sollte es auch in den nächsten Tagen nicht besser werden. Verbrachte ich den Vortag noch in kurzärmeligem Leibchen, war jetzt Pulli und Jacke angesagt. Regen und starker Wind wechselten sich ab. In einer kurzen Regenpause legte ich noch die zwei Ruten welche keine Aktion brachten neu und stellte eine auf Partikel um. Wie erwartet, passierte am Tag nichts mehr. Um ehrlich zu sein erwartete ich mir für die nächsten Tage, aufgrund des Wetterumschwungs, nicht mehr besonders viel. Aber nach so einer Nacht, hätte mich das nicht besonders gestört.

Kurz nach Mitternacht heulte dann aber erneut mein Siren auf. Wieder der selbe Platz, welcher gestern den ersten Fisch gebracht hat! Auch dieser Gegenüber schien kein Leichtgewicht zu sein. Allerdings zog er schnurstracks auf einen versunkenen Steg zu. Mit geschlossener Bremse und ordentlich Gegendruck konnte ich den Fisch vom Steg fern halten. Jetzt ging er langsam am Grund entlang und ließ mich im Boot mit gebogener Rute verharren. Ungefähr zwei Meter unter der Oberfläche konnte ich im Schein der Kopflampe einen dicken Spiegler erkennen. Geil!

Kurz darauf lag der große Spiegler zum Keschern bereit auf der Oberfläche. Danach folgte das gleiche Schema wie in der Nacht zuvor. Mein Kollege konnte es nicht fassen, auch dieser Bulle knackte die 20er Grenze.

Die Temperaturen waren mittlerweile auf 0°C gesunken, so verzog ich mich wieder in den warmen Schlafsack und schlief bis zum Morgen durch. Das Wetter wurde eher schlechter als besser, deshalb verbrachte ich fast den kompletten Tag im Zelt. Bis am frühen Nachmittag der Siren meiner Partikelrute um Hilfe schrie. Überrascht, aber voller Freude rannte ich zur Rute und begab mich ins Boot.

Über dem Fisch angekommen, begann ein eher milder Drill mit einigen kräftigen Schlägen.

Kurz darauf wurde meine Vermutung wahr und ich sah den weißen Torpedo durchs Wasser gleiten. Bei diesen Wassertemperaturen (um die 12°C) hätte ich eher nicht mit einem Amur gerechnet.

Der Fisch beschäftigte mich noch etliche Minuten, ehe ich ihn vom Haken befreite und seinem Element entließ.

Da wir mehr als genug Amur in unserem See haben, und die schnell mal zur Plage werden können, entschied ich mich, die Partikel an Land zu lassen und griff zu den altbewährten Boilies.

Kurz vor Mitternacht dasselbe Szenario wie die Nächte davor.

Mein Siren schrie förmlich nach mir. Rein ins Boot und der Kampf begann erneut.

Auch dieser Fisch zeigte mir was in ihm steckte. Die Kraft, die die Karpfen an unserem Hauswasser vorweisen können, ist wirklich erstaunlich. Aber auch in diesem Duell blieb ich Sieger und landete erneut einen guten Spiegler.

Er konnte zwar nicht ganz mit dem Gewicht der vorigen zwei Dicken mithalten, brauchte sich jedoch keinesfalls verstecken.

Die restliche Nacht konnte ich in aller Ruhe mit meinem Schlafsack kuscheln, ehe mich der starke Regen, welcher auf dem Zelt niederprasselte, weckte. Das Wetter sollte den ganzen Tag nicht besser werden. Starker Regen und kalter Wind wechselten sich ab.

In einer kurzen Regenpause legte ich meine Ruten noch mal neu und machte mich für die letzte Nacht bereit. Ich blieb etwas länger auf, da ich abwarten wollte ob auch diese Nacht wieder kurz vor Mitternacht ein Biss kommt. Es war kurz nach 24 Uhr, als ich meinen Laptop ausschaltete. Ich hörte wie der Regen sanft auf das Zelt prasselte und wollte mich gerade in den Schlafsack kuscheln, da ertönte mein Siren. Es war also doch Verlass auf meinen Mitternachtsfisch!

Ich rannte zur Rute, es war mittlerweile richtig kalt geworden. Beim Einsteigen ins Boot trat ich erstmal in 10cm tiefes Wasser und das mit knöchelhohen Turnschuhen. Ich verfluchte die 30 Sekunden, welche ich für das Anziehen der Stiefel benötigt hätte. Den Fisch hatte ich schnell an der Oberfläche und ehe er sich versah, glitt er über meinen Kescherrand. Es war ein schöner zweistelliger Schuppi, welchen ich gleich wieder seinem Element überließ. Die Rute blieb danach im Trockenen und ich verbrachte die restlichen Nachtstunden im warmen Schlafsack. Am Morgen weckten mich überraschenderweise ein paar Sonnenstrahlen. Ich kroch aus dem Zelt und konnte es kaum fassen, von dem grauenhaften, kalten Wetter der letzten Tage keine Spur. Besser hätte es nicht laufen können. Ich wartete noch bis zum frühen Nachmittag um auch alles trocken einpacken zu können. Danach trat ich die Heimreise an und ließ die letzten Tage noch mal Revue passieren. Besser hätte ich mir meinen Saisonstart am Hauswasser nicht vorstellen können.

 

Auf die Dicken!

ecki

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