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Das grosse Fressen.

Kalt war es, so richtig kalt – Nein, nicht das Frühjahr 2013, das sowieso! Nein, der Herbst davor.

Immer wieder kann man davon lesen, die wenigsten dürfen das je erleben! Es soll es geben, das magische Zeitfenster, dann, wenn nur mehr die Großen des Sees fressen. Ein Zeitpunkt, an dem bereits Stille an den Ufern herrscht – gut so! Ein Zeitpunkt, an dem die Temperatur der Gewässer knapp unter 10 grad Celsius fällt.

Das Signal für die ganz großen Cyprioniden des Gewässers – ein eindeutiges Indiz, das ein langer und kalter Winter bevorsteht. Auch eine Zeit, an dem die kleineren Fische ihren Energiebedarf bereits gedeckt haben.
Wie wenn man einen Schalter umlegen würde – das Fressen der Großkarpfen hat begonnen – ich durfte es zum ersten Mal in meiner nun doch schon langen Passion als Karpfenangler erleben. Ja gut, mal da ein guter Fisch im November, mal dort, aber so – ganz kann ich es immer noch nicht fassen – ein Geschenk, ich hoffe, ich darf das so nochmals erleben!

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Wir schreiben Mitte November 2012, irgendwo in Mitteleuropa, mit 6 Tagen unbeschwertem Angeln vor mir. Das Gros der Arbeit lag zurück gelassen, endlich für mich sein um sich ganz meiner Lebensleidenschaft hinzugeben.

Es war kalt, düster, regnerisch und ohne viel Sonne – ganz egal, einfach angeln! Kein Telefon, keine Meetings, viele gute Bücher und frei im Kopf – einfach fallen lassen. Ausatmen und zur Ruhe kommen. RUN.
Wieder 18.30 Uhr, genau gleich wie gestern, wieder die selbe Rute, ganz tief auf 16 Metern gefischt. Die NRD im Halbkreis, die Tournament singt ihr schönstes Lied – tick, tick, tick…

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Gestern ein extrem mächtiger Schuppi , gedrillt von meinem Freund, heute wieder ein großer Fisch? Ruhig zieht er im tiefen Wasser seine Bahnen. Gleich vor meinen Beinen fällt der See auf 14 Meter, er geht immer tiefer, ganz ruhig – ein gutes Zeichen?

Eine gefühlte halbe Ewigkeit später schließen sich die Maschen um einen mächtigen Fischkörper. Der Fang X perfekt in der Unterlippe, wieder war es die Monster Squid Purple. Wieder ist ein fantastisch großer Fisch – in Form und Farbe einer der schönsten die ich je in Händen halten durfte! Und wieder ist es einer der ganz großen im See!

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Manchmal kann es ganz einfach sein – ein Gefühl der tiefen Zufriedenheit und Ehrfurcht durchströmt meinen Körper. Wir schreiben mittlerweile Donnerstag, knapp nach 18 Uhr. Wird es auch heute passieren? Kommen die Fische wieder an den Platz?

RUN, mein Siren überschlägt sich förmlich – diesmal eine andere Rute auf knapp 18 Metern Tiefe.

Unglaublich, es scheint wieder ein großer zu sein! Ein faszinierender Kämpfer, lang und breit wie ein Brett, die Monster Carp Craddle ausgefüllt. Der zweitschwerste Karpfen meines Lebens, ein Schuppentier wie gemalt. La Vita est bella!

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Regentropfen tanzen am Bivy, der Boden wird tiefer und tiefer – 1 Tag angeln bleibt noch – alles ist jetzt nur mehr Draufgabe. Das Gefühl beim Einschlafen ist nur mehr von Seligkeit und von großer Dankbarkeit erfüllt.

Diesmal der Biss auf einer anderen Rute. Nicht um 18.30 Uhr, nein, eine halbe Stunde später. Der Fisch kommt rasch ans Ufer, vielleicht zu rasch, im Schein der Kopflampe kann ich einen enorm mächtigen Fischleib erkennen – diesmal schein es ein Spiegler zu sein. Gänsehaut mach sich breit, Adrenalin kann ich förmlich auf der Zunge schmecken.

Der Fisch dreht um und stürmt in die Tiefe, mit solch enormer Kraft und Vehemenz, dass mir ein Stoppen unmöglich ist. Und dann, nichts. Ja, nichts mehr. Der Fisch scheint in einem der vielen großen Steinblöcke im tiefen Uferwasser Unterschlupf gefunden zu haben. Ich kann ihn spüren, lasse den Zug für 10 Minuten komplett nach, da ist er wieder, ich fühle seine Bewegungen.

Und dann weg, ja einfach weg. Leere macht sich breit, und Stille. Sterne funkeln am pechschwarzen Firmament. Komplette Stille, das Adrenalin schmerzt im Kopf. Weg ist er – diesmal war der Fisch Sieger.

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Doch dann ist es wieder da, das Gefühl der tiefen Zufriedenheit, ganz tief in meiner Seele gespeichert. Das was ich in den vergangenen 4 Tagen gemeinsam mit wunderbaren Menschen erleben durfte, war beeindruckend und prägend. Mittlerweile ist der Frühling ins Land gezogen – der Reigen beginnt von vorne. Da ist es wieder, das Gefühl von Dankbarkeit.

Ich darf wiederkommen.

Arno Bergler

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