Frühling in Frankreich

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Die Zeit war reif!

Frühjahrsurlaub 2014 stand vor der Tür. Es ging mit Freundin und Hund nach Frankreich!

Ein für mich neuer Stausee mit etwas weniger als 400ha sollte diesmal das Ziel sein. Die Fahrt verlief ruhig und so erreichten wir nach etwas mehr als 11 Stunden früh morgens unser Ziel. Es war verdammt kalt und der Wind blies uns um die Ohren. Nachdem der Platz bezogen war, machte ich mich erstmal auf die Spotsuche. Ernüchterung machte sich in mir breit – der See hatte gerade einmal 12Grad.

Sogar die Seen bei uns in der Steiermark kratzten bereits an der 15 Grad Marke. Weiters sollte das Wetter dies in der nächsten Zeit nicht ins Positive verändern. Ich machte mir vorerst aber nichts daraus und platzierte meine Montagen erfolgsversprechend. Die erste Nacht brachte überraschenden Frost und auch der darauffolgende Tag war grauenhaft, neben immer wieder anhaltenden Regenschauern wehte ein eisig-kalter Wind. Die Bissanzeiger schwiegen. Wir hatten mitlerweile den dritten Tag und die Bedingungen hatten sich kaum verändert, die Wassertemperatur wanderete sogar noch etwas weiter nach unten. Als dann am Nachmittag die “Garde de Peche” vorbeikam und mir mit aller Klarheit mitteilte, dass die Ruten nur geworfen werden dürfen, hielt mich erstmal nichts mehr am See. Vorallem, weil mein leichtestes Blei 220 Gr schwer war und die etwas interessanteren Spots auf einer Entfernung zwischen 150-200 Meter lagen. Nach kurzer Absprache mit meiner Freundin packten wir noch am selben Tag alles zurück ins Auto und machten uns auf den Weg an ein weiteres Gewässer. Nach Absprache mit dem ein oder anderen Kollegen (Danke nochmals an dieser Stelle!) fuhren wir dann knappe 200 Kilometer weiter in den Norden. Es sollte auf einen weiteren Stausee mit etwa 500 ha gehen.

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Ein sehr anspruchsvoller See mit einem nicht sehr dichten, dafür aber dem ein oder  anderen sehr gewichtigen Fisch. Es wurde knapp, ehe die Sonne hinter dem Horizont verschwand, aber schlussendlich schafften wir es auch noch die Angelkarten zu besorgen. Die Nacht verbrachten wir dann im notdürftig aufgestellten Zelt. Noch bevor die ersten Sonnenstrahlen den nächsten Morgen erblickten, begann ich mit der Platz- und anschließenden Spotsuche. Die Bedingungen hier versprachen um einiges mehr als am vorherigen See. Die Aussentemperaturen waren Badehosen-reif und auch die Wassertemperatur wies im Durschnitt um über 3 Grad mehr auf.

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Von meinem Platz aus konnte ich Tiefen bis zu 9 Meter beangeln. Mein Hauptaugenmerk galt allerdings der Flachwasserzone entlang des Schilfgürtels direkt vor meinem Platz. Das Wasser war hier nochmals um 2 Grad wärmer als im Tiefen. Zusätzlich sorgte der ständig andauernde Wind, der das erwärmte Oberflächenwasser direkt auf mein Ufer blies, für einen weiteren Temperaturanstieg. Der Seegrund war großteils von 10-50cm hohem Kraut bewachsen, wobei man immerwieder Fraßstellen finden konnte. Das glasklare Wasser ließ Sichttiefen bis ungefähr 4 Meter zu und erleichterte die Spotsuche enorm. Bis auf eine Rute in 6 Metern, angelte ich mit allen anderen im seichten Wasser zwischen 1-3 Metern.

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Ich war im Gegensatz zum vorherigen Gewässer wieder schwer motiviert und war gespannt, was die nächsten Tage wohl bringen würden. Es war am zweiten Morgen, ich schlummerte noch friedlich, als sich die ersten Sonnenstrahlen langsam ihre Bahnen durch die Wolkendecke suchten. Der friedliche Moment wurde abrupt durch das Geschrei meines Sirnes gestört. Ich schlang mich in die Wathose, ehe ich anschließend dem Fisch mit dem Boot entgegensteuerte. Aufgrund einiger Baumstümpfe und Wurzelstöcke am Gewässergrund angelte ich mit Subfloats! Das System erfüllte seinen Zweck und bewahrte den Fisch von einem Festsitzen im Hindernis. Das klare Wasser ließ sofort einen Blick auf mein Gegenüber zu. Wahnsinn! Da hing doch tatsächlich einer der dicken Fische des Sees am anderen Ende der Leine. Meine Knie begannen etwas zu zittern. Der Karpfen schien sich aber nicht komplett auspowern zu wollen und lernte so nach wenigen Minuten bereits meinen Kescher von innen kennen. Meine geballte Faust kam zum Vorschein und Glücksgefühle machten sich in mir breit! Ich hatte einen!!!!….und was für einen!!!!!

Selten hatte ich mich so über einen Fisch gefreut!!!!

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Wir hielten die Fotosession so kurz wie möglich und entließen den Dicken wieder in sein Element.

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Mein Ziel hatte ich somit auf jeden Fall erreicht, der Fisch war im seichten Bereich auf Nahrungssuche unterwegs gewesen und saugte meinen Snowman auf nur 1,5 Meter Wassertiefe ein. Das Wetter hielt auch in den darauffolgenden Tagen an und lockte die Karpfen bei ihrer Futtersuche so immer wieder ins seichte Wasser. Drei Tage später war es dann erneut soweit und mein Siren versetzte mir ungefähr um die gleiche Uhrzeit abermals einen Adrenalinstoß. Auch wenn das Hineinschlüpfen in die Wathose eigentlich längst Routine ist, dauert es bei einem run meist länger als sonst. Auch wenn es nur wenige Sekunden sind, kommt mir der Weg durch das 50cm tiefe Wasser zu den Ruten jedesmal wie eine Ewigkeit vor. Ich war mit dem Boot gerade über dem Fisch angekommen, als ich ihn im ca. 4 Meter tiefem Wasser erstmals sehen konnte. Er kam mit dem Kopf voraus direkt auf mich zu. Meine Knie zitterteten nicht mehr, sie schlotterten schon richtig, denn was da auf mich zukam war riesig! Selten zuvor hatte ich einen so massiven Schädel gesehen. Auch wenn ich meine Gedanken verdrängen wollte, geisterten da plötzlich Gewichter mit einem 3er an erster Stelle durch meinen Kopf. Ich versuchte mich wieder auf den Drill zu konzentrieren, der Haken saß sicher in der Unterlippe. Trotz der ein oder anderen Flucht behielt ich die Überhand und führte mein Gegenüber sicher in meinen Kescher. Erleichterung und Freude zugleich machten sich in mir breit. Beim genaueren Anblick des Fisches merkte ich erstmal, dass die Proportionen von Kopf und Körper nicht mehr ganz zusammenpassten. Es dürfte sich um einen der ganz alten des Sees handeln. In seinen Glanzzeiten war er wohl um das ein oder anderer Kilogramm schwerer und wahrscheinlich hatte er auch das von mir in Gedanken vorgeträumte Gewicht. Nichtsdestotrotz war es nach wie vor ein traumhafter Fisch mit einem Top-Gewicht!

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Der Karpfen biss nochmals etwas seichter als sein Vorgänger – ich überlistete ihn auf weniger als einem Meter Wassertiefe.

War es das nun, oder sollte gar noch eine Überraschung auf mich zukommen???

Mir war es egal, ich sonnte mich in höchster Zufriedenheit. Die Tage vergingen schnell und so kam es mir nur wie Stunden später vor, als zwei Tage nach dem zweiten Fisch der Bissanzeiger erneut losschrie. Diesmal war es ca. 2 uhr früh gewesen, der run stoppte allerdings abrupt auf dem Weg zur Rute. Der Swinger stand am Bissanzeiger an, die Schnur gespannt und nichts bewegte sich. Ich wartete einen Moment und nahm die Rute auf – nichts, kein Widerstand. Kurz darauf erkannte ich das Problem, das Vorfach war wenige Zentimeter nach dem Haken abgerissen!! Sch…. , der Fisch dürfte damit wohl bei einem Wurzelstock hängen geblieben sein. Ich konnte die restliche Nacht nicht mehr schlafen und tröstete mich mit den Fotos der gefangenen Karpfen. Was da wohl am anderen Ende der Schnur hing?? Ich werde es wohl nie erfahren!

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Das Wetter änderte sich dann in den nächstem zwei Tagen. Es wurde kühler und ständige Schauer zogen auf. Das Wasser im Uferberich kühlte etwas ab und unterschied sich kaum mehr von den tieferen Bereichen. Ich war wenig überrascht, als die tiefere Rute plötzlich den ein oder anderen Fisch brachte, allerdings nicht unbedingt die Spezies, auf die ich es abgesehen hatte – Welse ließen sich die Boilies schmecken. Da meine bessere Hälfte allerdings noch keine Bekanntschaft mit diesen Kreaturen gemacht hatte, sah ich das ganze von der guten Seite.

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In der letzten Nacht stellte ich dann noch auf Tigernüsse um, doch auch dies schien die langen Bartelträger nicht abzuhalten. Sie machten einfach einen auf Vegetarier.

Auch wenn ich in den letzten Nächten keinen Karpfen mehr zu Gesicht bekam, trat ich mehr als zufrieden meine Heimreise an. Eines war mir bei der Abfahrt bereits wieder klar – ich komme wieder!!!!……vielleicht schon heuer!

LG und eine schöne Zeit am Wasser

ecki

Nash Consultant Austria/Germany

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ecki

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