Bella Italia

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„Das wichtigste im Leben ist die Zeit. Leben heißt, mit der Zeit richtig umgehen.“, Bruce Lee

Wahre Worte, welche ich momentan voll auslebe. Nach meinem erst kürzlich vergangenen Urlaub, waren bereits die nächsten zwei roten Kreuze auf meinem Urlaubskalender eingetragen. Weitere zwei Wochen Abenteuer standen mir bevor. Ziel sollte diesmal ein Stausee im tiefsten Italien sein. Mit der Mithilfe meiner italienischen Teamkollegen war die Organisation ein Klacks. Auch diesmal war meine Freundin Dani wieder mit von der Partie. Zu zweit vergeht die Zeit um einiges schneller, so gingen die 10std Autofahrt schnell an uns vorbei.

Der See liegt auf über 900 Meter Seehöhe umgeben von einem Nationalpark und unberührter Natur, einfach traumhaft….

saftiges Grün mit den verschneiten Bergen im Hintergrund....Traumhaft
saftiges Grün mit den verschneiten Bergen im Hintergrund….Traumhaft!!!!

Wir waren begeistert von dem Ort, mussten uns mit dem Aufbau aber beeilen, da bereits Gewitterwolken aufgezogen waren. Wir schafften es gerade noch rechtzeitig ehe ein ordentlicher Regenguss über uns her zog. Wir wählten unseren Platz nicht zu weit vom Auto entfernt, da wir am Folgetag noch in ein nächstgelegenes Postamt mussten um die Angelkarte zu überweisen.

Die erste Nacht war ruhig. Während sich meine bessere Hälfte mit einer äußerst unfreundlichen Postangestellten ärgern musste, ging ich mit dem Boot auf Erkundungstour. Der See war nicht besonders breit, dafür mehrere Kilometer lang. Von meinen italienischen Kollegen erfuhr ich, dass an einem Ende des Sees, direkt nach dem Einlauf des Flüsses welcher für den größten Anteil der Wasserversorgung zuständig ist, in letzter Zeit Karpfen gefangen wurden. Ich schaute mir den Platz an und begann sofort mit dem Abbau. Noch ehe meine Freundin zurück war, waren die Boote wieder voll beladen.

moven war angesagt....
moven war angesagt….

Der neue Platz glich einem kleineren Altarm oder erinnerte an Flussangeln, keine 30 Meter breit und voll mit Holz.

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In der Mitte zog das alte Flusbett seine Bahnen und war bis 9 Meter tief. Die Ufer waren seichter und voll mit Bäumen, hier vermutete ich auch die Fische. Das Wasser war in den seichteren Bereichen auf etwa 16 Grad, laut einem italienischen Angler hatten die Karpfen vor zwei Wochen bereits mit dem Laichen begonnen, dann allerdings aufgrund einer Schlechtwetterphase wieder abgebrochen. In den ersten Tagen sollte es laut Prognose regnerisch und kühl bleiben, danach wärmer werden.

Ich wollte es zumindest die nächsten 2-3 Tage auf diesem Platz versuchen. Bereits in der ersten Nacht meldete sich mein R3, ehe sich kurz darauf die Maschen meines Keschers um den ersten Karpfen schlossen. Ein netter Zweisteller, welcher definitiv schon gelaicht hatte, war das Ergebnis.

Der Anfang war gemacht!
Der Anfang war gemacht!

Die Fischerei war beinhart hier, das viele Holz machte es sehr schwierig. Ich angelte vor dem Holz, an allen Ruten montierte ich schwere Subfloats, die Schnur war voll gespannt und die Bremse auf Anschlag zu.

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Nach dem Biss ging es sofort rückwärts mit der Rute um den Fisch vom Holz weg zu bekommen. Beim ersten hatte es tadellos funktioniert.

Die nächste Nacht brachte mir dann prompt den nächsten Fisch.

Die Fische wurden größer!
Die Fische wurden größer!

Ich war happy und ein weiterer Platzwechsel rückte vorerst in weite Ferne. Die dritte Nacht war ruhig – zu ruhig….die Nacht war kalt gewesen, die Oberfläche war noch von einer Nebelschicht überzogen als ich am Frühstücken war. Ständig hatte ich den Blick am Wasser, als sich meine linke Rute meldete. Die Spitze bog nach links ab, der Fisch hing. Die ersten Sekunden im Drill waren entscheidend, auch wenn mein Gegenüber ordentlich Gegenwehr aufbrachte, durfte ich keinen cm nachgeben und musste ihn von den Bäumen wegbringen. Es gelang – Stück für Stück pumpte ich ihn heran, es war definitiv ein größerer Fisch. Der erste Anblick zauberte mir ein Grinsen ins Gesicht und ließ meine Knie etwas weicher werden, ich hatte eine richtige Bombe am anderen Ende der Schnur. Da auch im Uferbereich einiges an Holz im Wasser war, ließ ich dem Fisch kein Spiel und schob wenig später den Kescher unter den großen Fleck welcher vor mir im Wasser lag. Ich hätte keine Waage benötigt um zu wissen, dass hier ein 2er an erste Stelle stand. Ich war überglücklich, mit solch einem Fisch hatte ich nicht so schnell gerechnet.

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Nach einem kurzen Shooting, schwamm der Dicke dann wieder in seinem Element. Ich war sehr zufrieden und genoss den ersten schöneren Tag, unserer Platz war mitten im Wald und ließ zum Unwohl meiner Freundin kaum Sonne hindurch. Aber auch hier wussten wir uns zu helfen.

Sonnenplatz ;-)
Sonnenplatz 😉

Es brach die nächste Nacht an und mit ihr der nächste Fisch. Ein guter Zweisteller biss mit dem Einbruch der Dunkelheit.

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So konnte es weiter gehen, die Fische schienen in meinem Gebiet unterwegs zu sein.

Französischer Wein schmeckt auch in Italien!
Französischer Wein schmeckt auch in Italien!

Die fünfte Nacht am neuen Platz und somit die Halbzeit der Session stand bevor. Wie schnell die Zeit beim Angeln immer vergeht – wenn es bei der Arbeit nur dasselbe wäre 😉

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Die erste Nachthälfte blieb ruhig, ehe sich nach Mitternacht wieder mein R3 meldete. Die Rutenspitze bog sich nach unten und die Rute baumelte in der Verankerung auf und ab.

Rutensicherung!
Rutensicherung!

Mein Gegenüber bot enorme Gegenwehr auf. Wie ein Bock stand er vor den versunkenen Bäumen und ließ sich nicht wegbewegen. Ganz langsam marschierte ich mit der Rute rückwärts und brachte ihn Stück für Stück in “Sicherheit“. Etwa 5 Meter von mir entfernt kam der Fisch erstmals an die Oberfläche, es war ein riesen Fleck von einem Schuppi. Ich schnappte mir den Kescher, er tauchte allerdings nochmal in die Tiefe ab. Ich hielt voll dagegen, denn hier waren auch etliche versunkene Büsche im Wasser. Der Fisch kam nicht weit und tauchte ein weiteres Mal an der Oberfläche auf, ich wollte kein Risiko mehr eingehen und schob schnell den Kescher unter den massiven Körper.

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Ich hatte einen weiteren der großen alten Bewohner des Sees in der Matte – Wahnsinn!!

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Auch wenn es momentan leider modern zu sein scheint, ein Foto um das andere von gehälterten Fischen auf den sozialen Netzwerken zu posten, muss ich nicht mit dem Trend gehen. Jeder der mich besser kennt, weiß auch um meine Einstellung zum Hältern von Fischen, deshalb schossen wir einige Bilder und entließen den großen Schuppi wieder seinem Element.

Der nächste Tag brach an, ich saß voller Zufriedenheit in meinem Sessel und ließ die vergangenen Tage revue passieren – es war alles aufgegangen, sogar mehr als ich mir erwartet hatte. Den restlichen Tagen konnte ich nun bereits sehr gelassen entgegen blicken.

Nicht nur die Karpfen lieben 4G Squid....
Nicht nur die Karpfen lieben 4G Squid….

Am späten Nachmittag ließ meine Freundin plötzlich ein Schrei los und schnappte sich sofort eine Rute. Sie hatte beobachtet wie einer der Subfloats langsam die Oberfläche entlang wanderte – noch bevor der Bissanzeiger einen Ton abgeben konnte hatte sie bereits die gebogene Rute in der Hand. Gekonnt dirigierte sie den Fisch weg von den Bäumen, ehe kurz darauf ein schöner kleiner Schuppi an der Oberfläche erschien. Sie war mächtig stolz….

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Leider schien mich mit diesem Fisch etwas das Glück verlassen zu haben. Die folgenden drei Nächte stellten mich auf eine harte Probe. Nicht genug, dass plötzlich die Welse Gefallen an meinem Futter fanden – verlor ich auch noch 3 Karpfen….

Der erste setzte sich tief im Holz fest, ich konnte nur mehr die leere Montage bergen. Die anderen beiden hatte ich bereits kurz vor meinen Füßen, ehe mir das Vorfach entgegen flog. So glücklich ich über meine Fänge zuvor war, so sauer war ich jetzt gewesen!

Zumindest Dani freute sich über die Schleimer!
Zumindest Dani freute sich über die Schleimer!

Zwei Nächte blieben noch, diese sollten hoffentlich erfolgreicher werden.

Meine Rigs verwende ich allesamt seit geraumer Zeit, Verlustserien wie diese gab es eigentlich nie, deshalb hielt ich auch weiterhin an ihnen fest. Manchmal hat man einfach Pech!

Die vorletzte Nacht blieb vorerst ruhig, weder ein Biss noch aktive Fische waren auszumachen. Ich schlief ziemlich spät ein, als ich mein Bissanzeiger weckte, war es bereits hell. Ich drillte den Fisch sehr vorsichtig, die Ausstiege hatten mich etwas verunsichert. Die Gegenwehr hielt sich in Grenzen und kurz darauf lag ein kleiner Schuppi in der Matte.

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Wir schossen schnell ein Foto, kaum hatte Dani das erste Mal abgedrückt, läutete der nächste Bissanzeiger….

Es war meine linke Rute, sie lag etwas seitlich und im “gefährlichsten“ Gebiet. Der Fisch bewegte sich aber kaum weg vom Platz und ließ sich die ersten Meter ruhig heranpumpen. Er war bereits einige Meter vom Holz entfernt, als er plötzlich links auf den Wald an dem mir zugewandten Ufer zusteuerte. Hier konnte ich vom Ufer keinen Druck mehr aufbauen, so sprang ich schnell ins Boot – allerdings etwas zu spät. Die Schnur ging geradewegs auf einen großen Baum zu, ich blickte dem Stamm entlang – mir blieb fast das Herz stehen. Auf etwa einem Meter Wassertiefe stand ein riesiger goldener Fleck. Ich schnappte mir den Kescher, der Karpfen erschrak allerdings bevor ich ihn in die Maschen bekam und flüchtete nach links. Zum Glück in den offenen freien Bereich, hier gestaltete sich der Drill etwas einfacher. Es war die zweite oder dritte Flucht, der ich ihm mit dem Kescher zuvorgekommen war. Ich musste erst einmal Durchschnaufen, bevor ich in den Kescher blickte – es war einer der alten Riesen des Sees….Unglaublich!!

Wenn Träume wahr werden....
Wenn Träume wahr werden….

Die Niederlagen aus den letzten Tagen waren wie weggeblasen.

Einen schöneren Abschlussfisch hätte ich mir nicht erhoffen können. Denn in den letzten 24 Std passierte, gleich wie in den ersten, nichts mehr. Wahrscheinlich ein Zeichen die Heimfahrt anzutreten.

Abfahrt....
Abfahrt….

Es war mein erster und sicher nicht letzter Besuch auf diesem wunderschönen Stausee.

 

Genießt die Zeit am Wasser!

ecki

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