Frankreichtour 2016

Alle Jahre wieder….

Endlich war es soweit, mein jährlicher Frühjahrs-trip mit meiner Freundin ins Ausland stand kurz bevor. Ziel sollte ein großer Stausee in Südfrankreich sein. Einen Tag vor der Abfahrt warf ich meinen Plan dann aber erstmal über einen Haufen. Ein Freund von mir saß an dem anvisierten Gewässer, anfangs lief es gut, dann drehte allerdings der Wind und die Bisse blieben aus, auch für die folgende Woche sollte sich an den Windbedingungen nichts ändern. Da ich sowieso immer mit ein bis zwei Ausweichgewässern plane, war schnell ein neues Ziel gefunden. Es sollte ein weiterer der schönen südfranzösischen Stauseen werden.

121212 (2208 x 1656)Am Tag der Abfahrt spielte dann das Wetter verrückt, plötzlicher Wintereinbruch in Österreich! Die grüne, blühende Landschaft war innerhalb weniger Stunden weiß geworden. Die Strecke über Kärnten nach Italien war nicht passierbar, ich musste über Slowenien ausweichen. Hier durfte zumindest gefahren werden, Stau, dichtes Schneetreiben und 10cm Schnee auf der Autobahn machten das Unterfangen allerdings nicht einfach, vor allem mit meinen bereits montierten Sommerreifen.

IMG-20160516-WA0003Mit ordentlicher Verspätung, standen wir dann 18Stunden später endlich am Ufer unseres  Zielgewässers. Kurzzeitig war die Müdigkeit wie weggeblasen, ich genoss die Ruhe und Stille an diesem verschlafenen Fleck Erde.

28 (2208 x 1656)Ich verschaffte mir erstmal einen Überblick auf die mehreren 100ha Wasser. Ich hatte fast freie Platzwahl, die anwesenden Angler konnte ich auf einer Hand abzählen. Ein angenehmer Ausgleich zu den kleinen, stark beangelten Gewässern aus meiner Umgebung, an denen Neid und Missgunst an der Tagesordnung stehen.

Nach dem Beladen des Bootes ging es dann auf den ausgewählten Platz.

8 (2016 x 1512)Nach der ersten Euphorie nahm dann die Müdigkeit doch wieder überhand von mir, ich schupfte die Ruten noch schnell raus und holte erstmal mein Schlafdefizit auf.

20160511_000818 (1134 x 2016)

Frisch ausgeschlafen, begann ich am nächsten Morgen dann die Spotsuche.

Genaue Spotsuche - ein absolutes Muss für mich!
Genaue Spotsuche – ein absolutes Muss für mich!

Es war bereits nach 14 Uhr, als ich die letzte meiner 4 Ruten an ihren Platz brachte. Das Wasser war gut durchgemischt und hatte etwas über 13 Grad. Ich fischte auf Tiefen zwischen 1-9 Metern. Meine Freundin war in der Zwischenzeit einkaufen, jetzt hieß es erstmal was Feines zu essen, immerhin hatten wir seit 48Std nichts Warmes mehr zu uns genommen.

Meine Leibspeiße in Frankreich!
Meine Leibspeiße in Frankreich!

Satt und zufrieden döste ich auf meinem Sessel dahin, als ich durch das Geschrei meiner Freundin munter wurde. Ich verstand nicht was sie sagte, aber ich hörte im Hintergrund den Dauerton meines Bissanzeigers. Ich brauchte in paar Sekunden, bis ich verstand was da abging – Sie wollte mir klar machen, dass ich einen Biss hatte! Danach ging alles von selbst, kurz darauf stand ich schon mit gebogener Rute am Boot. Mein Gegenüber hatte ordentlich Dampf und ließ sich nur schwer vom Grund wegbewegen. Er marschierte von einem Krautfeld ins nächste. Nach etwa 15 Minuten lag er dann kescherbereit auf der Oberfläche. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht schöpfte ich den ersten Fisch des Trips ab. Was war das für ein Start!

 

Zum Einstand gleich eine...
Zum Einstand gleich eine…
....20Kg + Bombe!
….gute 20Kg + Bombe!

Ich wollte gerade ins Boot steigen um die Rute erneut auszubringen, da ging die nächste ab. Kaum zu glauben was da abging, nach einem nicht ganz so heftigen Drill, hatte ich den nächsten im Netz. Die genaue Spotsuche schien sich wohl ausgezahlt zu haben.

1414 (2) (2208 x 1656)1414 (2208 x 1656)Bis zum Abend waren alle Ruten wieder scharf. Ob es in dieser Tonart weitergehen wird? Vorerst ja! Kurz nach Mitternacht meldete sich erneut die Rute, welche mir bereits den ersten Fisch verschafft hat. Der Fisch war unglaublich stark, immer wieder flüchtete er in die dichten Krautfelder. Im Schein der Kopflampe erkannte ich dann einen sehr langen Schuppi. Nach gefühlter Ewigkeit, gab er dann endlich auf und ließ sich über den Kescher führen.

Schwerer Torpedo-Schuppi!
Schwerer Torpedo-Schuppi!

Die Bisse kamen alle auf die tieferen Ruten in 8 und 9 Metern. Aufgrund der vielen Hindernisse war ich auf Subfloats angewiesen. Im Uferbereich hatte man jede Menge Sträuche und Bäume

33 (2016 x 1134)32 (2016 x 1134), fast der komplette Untergrund des Sees war übersäht mit Wurzelstöcken und Baumstümpfen.

31 (1984 x 1488)30 (1632 x 1224)Teilweise waren in den tiefen Regionen richtige Unterwasserwälder zu finden.

34 (2208 x 1656)Meine Sufloat-Montage war recht einfach aufgebaut. Ich ließ eine Styroporkugel, in die ich einen Wirbel einklebte, frei auf dem Leader laufen.

1 (1689 x 819)Um die Kugel auf die gewünschte Tiefe einstellen zu können, band ich einen Stopper auf die Schlagschnur.

23 (2208 x 1656)Das System funktionierte perfekt, kein einziger Fisch ging in den Unterwasserwäldern verloren. Natürlich ist aber auch ein sinnhaftes Ablegen der Montagen von Nöten, womit ich meine nicht direkt im Holz zu fischen. Vorerst verlief der Tag ruhig, ich beköderte meine Ruten neu

3 (2016 x 1134)und besuchte weitere Angler, welche in einem anderen Seeteil saßen. Ich hatte meine Platzwahl wohl goldrichtig getroffen, denn dort blieben die Fänge aus. Gestern hatte ich noch 2 Fische am Nachmittag, diese schienen heute auszubleiben. Dachte ich mir zumindest….Wie aus dem Nichts ertönte am späten Nachmittag ein Dauerton aus meinem Bissanzeiger und wieder war es der tiefe Spot auf 9 Metern. Es dauerte einige Zeit, bis ich den Fisch vom Grund hoch bekam, danach marschierte er ins dichte Kraut im Flachwasser. Ich bekam ihn langsam frei, hatte dann aber alle Mühe ihn von den Bäumen fern zu halten. „Nur nicht ins Holz lassen“, sagte ich mir ständig. Ich konnte mein Gegenüber im klaren Wasser gut erkennen, es war ein dicker Spiegler. Erleichterung machte sich breit, als sich die Maschen des Keschers um den massiven Körper schlossen. Der nächste Fisch und wieder eine Bombe – es war kaum zu glauben!

Spieglergranate!
Spieglergranate!

Am Abend genossen wir dann noch den ein oder anderen Schluck Wein, ehe es ins Land der Träume ging. Kurz bevor es hell wurde, meldete sich dann erstmals eine Rute im seichten Wasser. Ein kleiner Schuppi hatte sich den snowman geschnappt, ich ersparte ihm die Strapazen und ließ ihn gleich wieder schwimmen. Danach schlief ich erstmal aus, es war bereits Mittag als wir unser Frühstück genossen. Danach wollte ich die Ruten erstmal neu legen – dazu kam es aber nicht. Kaum hatte ich den letzten Bissen von meinem Toast gemacht, lief eine meiner Ruten ab. Wieder eine tiefere, diesmal auf 8 Metern. In der Nähe des Spots befanden sich etliche Wurzelstöcke, genau dorthin wollte der Fisch natürlich auch. Der Subfloat hielt die Schnur aber stets an der Oberfläche, so blieb der Fisch frei. Ich verlangte der Rute alles ab, um den Fisch hoch zu bekommen. Zentimeter für Zentimeter gelang dies auch, an Aufgeben dachte er aber scheinbar in keinem Fall. Ich hatte ihn bereits fast in Sichtweite, da bog er seitlich in ein Krautfeld ab. Kurzzeitig dachte ich schon an einen Wels, dann erkannte ich aber erstmals die Umrisse des Fisches im dichten Kraut. Meine Knie wurden weich, da hing ein richtig dicker Schuppi am anderen Ende der Schnur. Langsam kam er aus dem Krautfeld hervor, das war meine Chance. Schnell schob ich den Kescher unter den massigen Körper. „JA,JAA,JAAAA“, hallte es durchs Tal. Einfach abartig was da abging. Eine Granate nach der anderen nahm Platz in der Cradle.

Über 27Kg....
Über 27Kg….
...Schuppenpower!
…Schuppenpower!

Es war erst der vierte Tag des Trips, die Fänge hätten aber schon für die vollen 2 Wochen genügt. Der restliche Tag wurde dann erstmal genossen, dabei stand gutes Essen an erster Stelle.

Die folgende Nacht war dann alles andere als ruhig, auch wenn sie keinen Karpfen brachte. Vorerst schlich irgendein Tier um unser Zelt, welches unseren Hund verrückt werden ließ, danach ließen sich 2 Welse die Boilies schmecken……

Bedingt durch den wenigen Schlaf aus der vergangenen Nacht, döste ich fast den ganzen Vormittag im Sessel dahin. Meine Freundin nutzte die Zeit und drehte ein paar Runden mit dem Hund.

IMG_0159 (2208 x 1656)Die Gegend hier war wunderschön, die schönen Wiesen und Wälder rund um den See eigneten sich bestens für den ein oder anderen Spaziergang.

P5101117 (1984 x 1488)P5101113 (1984 x 1488)

P5101069 (1632 x 1224)IMG_7604 (2208 x 1656)

Am Nachmittag hatten wir dann wieder Aktion, diesmal aber nicht unser Zielfisch, wieder hatte sich einer der vielen Welse aus dem See an den Ködern verleibt.

Meine Freundin fand Gefallen an den Welsen!
Meine Freundin fand Gefallen an den Welsen!

Karpfen blieben an diesem Tag aus, immerhin hatte ich genügend Zeit um Vorfächer zu binden.

4 (2016 x 1134)Auch die folgende Nacht blieb ruhig, ich wurde früh munter, es war noch fast dunkel. Ich setzte mich ans Ufer und beobachtete den See. Seit über 24Std hatte ich keinen Karpfen mehr, der anfängliche Fressrausch schien wohl vorbei zu sein. Nicht ganz, denn im selben Moment pfiff eine meiner Ruten ab, diesmal die seichteste in nur 1 Meter Wassertiefe. Der Bereich hier war voll mit Kraut, der Fisch biss in einem kleinen freien Loch. Natürlich stellte sich der Fisch mitten ins Gemüse, durch die aufgewirbelten Schwebeelemente im Kraut war das Wasser komplett trüb und ich konnte so gut wie nichts erkennen. Mit vollem Einsatz pumpte ich mein Gegenüber dann an die Oberfläche, ich erkannte nur die Umrisse eines großen Schuppis und kescherte den kompletten Fleck inklusive dem ganzen Kraut. Danach befreite ich den Fisch erstmal vom ganzen Gemüse und es erschien ein weiterer mächtiger Schuppi.

Und täglich grüßt ein 20Kg Fisch....
Und täglich grüßt ein 20Kg Fisch….
....einfach Wahnsinn was da passierte!
….einfach Wahnsinn was da passierte!

Besser hätte der Start in den Tag nicht laufen können. Während sich meine bessere Hälfte nochmal ins Land der Träume begab,  nutzte ich die Zeit und legte die Ruten erstmal neu. Die tieferen Ruten hatten nach dem anfänglichen Hoch mittlerweile seit fast 48std keinen Fisch mehr gebracht. Ich blieb den Plätzen vorerst aber treu, immerhin waren die ersten paar Tage eine absolute Ausnahme für diesen See. Die leichten Zweifel verflogen aber relativ schnell, denn am Nachmittag folgte eine weitere Aktion auf dem tiefsten Spot in 9 Metern. Nach relativ unspektakulärem Drill, landete ich den nächsten guten Fisch.

Kugelrunder...
Kugelrunder…
...Spiegler!
…Spiegler!

Der restliche Tag verlief ruhig, am Abend schnappte sich dann eine Schleie meinen Hakenköder.

Der erste Weißfisch!
Der erste Weißfisch!

Bereits am Abend drehte der Wind und wurde stärker, über Nacht nahm er dann ständig zu. Fische ließen sich in dieser Nacht keine blicken.

Der Wind hatte richtig an Fahrt aufgenommen und weckte mich bereits früh morgens. Ich machte erstmal alles “windfest“ und blickte auf die Windapp am Handy. Diese besagte nichts Gutes, der Wind sollte die nächsten 2 Tage mit einer Geschwindigkeit von bis zu 70 km/h anhalten. Er bließ vom Osten aus, wir hatten ihn mitten im Gesicht. Immerhin schwemmte er das wärmere Oberflächenwasser in den seichten Bereich rechts von mir.

12 (2016 x 1134)Am Vormittag ging es dann richtig rund, ich musste das Boot aus dem Wasser ziehen, da es durch die Wellen ständig voll mit Wasser lief.

13 (2005 x 1049)Am Nachmittag war es dann kurz etwas ruhiger, ich nutzte die Zeit um schnell die Ruten neu auszubringen. Wobei ich die Ruten im seichten Bereich liegen ließ, Auslegen war hier ein Ding der Unmöglickeit. Das frische Kraut stand im gesamten Bereich bis kurz unter die Oberfläche und war extrem dicht, am Grund lag älteres, abgestorbenes Kraut. Die wenigen freien Löcher waren nicht größer als einen Quadratmeter, der Wind hatte das Wasser Kaffebraun eingefärbt, keine Chance um etwas mit der Polbrille zu erkennen. Für eine genaue Spotsuche mit Echolot und Kamera war der Wind zu stark. Als Köder hatte ich 4G Squid im Einsatz, ich hatte die Boilies bereits seit 2 Wochen zum Trocknen im air dry bag. So hielten sie auch 48std am Haar und ich konnte die Montagen getrost etwas länger liegen lassen.

2 (2016 x 1134)

Ich war gerade dabei das voll gelaufene Boot auszuschöpfen, da rannte die Rute am tiefen Spot ab. Der Wind hatte wieder ordentlich zugelegt und machte es fast zur Unmöglichkeit mit dem Boot vom Ufer weg zu kommen. Mit aller Mühe schaffte ich es doch irgendwie. Trotz meines stärkeren Motors mit 55lbs Schubkraft, kam ich nur in Zeitlupe voran. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, bis ich endlich am Fisch war. Dieser schien gleich wenig begeistert wie ich vom Wind und kam mir bereits an der Oberfläche entgegen, natürlich gab er dann nochmal ordentlich Dampf. Er schwamm allerdings in den offenen, freien Bereich des Sees, hier waren weniger Hindernisse und ich konnte ihn in aller Ruhe ausdrillen. Das Keschern erwies sich als größte Herausforderung, der Wind trieb mich ständig ab und somit weg vom Fisch. Es dauerte bis ich mich in Position brachte, der erste Versuch musste sitzen und das tat er auch. Ein guter, kompakter Schuppi wurde von den Maschen meines Keschers umschlossen.

1818 (2208 x 1656)
Ein weiterer guter Fisch!

Die Rückfahrt zum Ufer war dann relativ einfach. Ich hatte den Wind im Rücken und brauchte mich nur treiben lassen. Lediglich etwas lenken musste ich mit dem Motor. Das erneute Auslegen der Rute ersparte ich mir vorerst, der Wind ließ es einfach nicht zu. Ich hoffte, dass es abends etwas ruhiger werden würde. Es blieb allerdings bei der Hoffnung, er wurde sogar noch stärker. So blieb die Montage für die Nacht erstmal im Trockenen. Ich mühte mich mit dem Einschlafen, der Wind war unglaublich laut, er belebte den kompletten Wald. Es kam mir vor, als wäre ich soeben eingeschlafen, als mich mein schreiender R3 aus dem Schlaf holte.

Zuverlässig unter allen Bedingungen!
Zuverlässig bei allen Bedingungen!

Grundsätzlich freue ich mich über jeden Biss, egal zu welcher Zeit, bei den momentanen Bedingungen wäre ich aber nicht böse gewesen, hätten die Bissanzeiger geschwiegen. Aufgrund der vielen Hindernisse, war es unmöglich den Fisch vom Ufer zu drillen – Ich musste ins Boot. Es war ein extrem anstrengendes Verfahren, bis ich endlich über dem Fisch war. Ein kleinerer Schuppi kämpfte unter dem unruhigen Wasser. Ich hatte ihn relativ schnell im Kescher und ließ ihn sofort wieder schwimmen, alles Andere wäre zu mühsam gewesen. Der Fisch biss auf die zweite tiefere Rute, somit hatte ich nun beide im trockenen, denn an Auslegen dachte ich momentan nicht. Ich stellte mir den Wecker für 6 Uhr früh und hoffte dann etwas weniger Wind zu haben. Den Wecker hätte ich mir allerdings sparen können, ich drückte kein Auge zu. Das ständige Rauschen und die sich biegenden, knarrenden Bäume und Äste hielten mich munter.

Gefrühstückt  wurde im Zelt, der momentan einzig windstillen Zone auf unserem Platz. Der erneute Blick auf die Windapp verhieß nichts Gutes. Aus den anfänglichen zwei windreichen Tagen sind mittlerweile schon vier geworden. Egal, durchhalten war angesagt, immerhin hatte ich ja fantastisch gefangen, da sollte mir dieser Wind nicht die Laune verderben. Auch tagsüber war “Zeltparty“ angesagt, hier war es definitiv am gemütlichsten.

15 (2016 x 1134)Momentan lagen nur mehr die beiden seichten Ruten im Wasser und das bereits seit 48Std. Ich hätte eigentlich damit gerechnet, dass die Fische nun vermehrt in diesen Bereich ziehen, da der Wind ständig das wärmere Oberflächenwasser anschwemmte. Meine Theorie schien dann auch zu stimmen, denn kurz danach bekam ich einen Biss. Ich mühte mich gerade das Boot ins Wasser zu bringen, da rannte auch die zweite Rute ab. Meine Freundin musste einspringen, eine der beiden Ruten lag Ufernah, mit etwas Glück sollte man diese vom Ufer aus drillen können. Was Anderes blieb auch nicht übrig, schließlich musste ich mit dem Boot zum zweiten Fisch. Es war ein spannender Doppeldrill, den wir 2:0 gewannen. Zwei schöne Schuppis hatten sich auf die Köder gestürzt.

1717 (2) (2208 x 1656)

Komplett alleine gefangen-ich war stolz!
Komplett alleine gefangen-ich war stolz!

Vergebens wartete ich auf eine kurze ruhige Phase, in der ich meine Ruten genau hätte auslegen können. Bevor es dunkel wurde und ich gar keine Rute im Wasser hatte, legte ich zumindest die zwei Ruten auf meinen tieferen Plätzen aus. Ich brauchte ewig, das Boot hätte ich danach auch als Pool verwenden können, soviel Wasser klatschte hinein. Die Nacht passierte nichts, an den Wind hatte ich mich mittlerweile etwas gewöhnt, so schlief ich immerhin durch.

Ich erwachte bei Sonnensschein, der Wind war immer noch sehr stark, hatte aber etwas an Kraft verloren.

20160506_185028 (1894 x 1153)Ich nutzte die Zeit zum Auslegen der Ruten. Der seichte Bereich hatte mittlerweile um zwei Grad an Wassertemperatur zugenommen, im Tiefen stieg es nur minimal an. Am Nachmittag baute sich der Wind wieder auf und auch die Fische schienen wieder Hunger zu bekommen. Mein Bissanzeiger überschlug sich fast, wieder war der Biss im Seichten. Den Fischen gefiel das wärmere Wasser in dem Bereich scheinbar. Der nächste gute Fisch schien am anderen Ende der Leine zu hängen. Er stellte sich ins dichte Kraut und ließ sich keinen Zentimeter mehr bewegen, mit der Rute war nicht mehr viel zu machen. Mit den Händen befreite ich die Schnur vom Kraut, bis ich wieder direkten Kontakt zu meinem Gegenüber hatte. Das Spiel wiederholte sich etliche Male. Irgendwann wurde es dem Fisch dann aber auch zu blöd und er marschierte ins tiefere Wasser, hier war weniger Kraut und ich konnte ihn normal drillen. Die Krautschlacht hatte ihm anscheinend Kraft gekostet und so war er wenige Minuten später im Kescher. Ein weiterer dicker Schuppi war das Ergebnis – einfach Wahnsinn welches Durchschnittsgewicht die Fische hier hatten.

Dicker...
Dicker…
...Schuppi!
…Schuppi!

Noch während dem Fotografieren lief die nächste Rute ab, wieder im Seichten. Ich entließ den gefangen Fisch schnell seinem Element, während meine Freundin schon zur Rute spurtete. Zusammen ging es dann mit dem Bot hinaus. Sie drillte, ich befreite die Schnur vom Kraut, das funktionierte perfekt. Auch das Keschern viel zu zweit, vor allem bei dem starken Wind, um einiges leichter.

Stolze Siegerin!
Stolze Siegerin!

Trotz des starken Windes konnte ich die kleinen Krautlöcher im Seichten mitlerweile finden, ich hatte morgens fixe Marker direkt neben den Stellen gesetzt. So brauchten die Montagen nicht im Trockenen bleiben. Der Wirbel dürfte die Fische etwas verschreckt haben, denn danach blieb es ruhig. Die Vorhersage für den Wind blieb unverändert, morgen sollte es nochmal richtig ungemütlich werden, danach sollte er aber drehen und schwach werden. Die Nacht brachte nur einen Wels, Karpfen blieben aus. Noch bevor die Sonne aufging, saß ich am Ufer und beobachtete den See, durch den Wellengang und die lauten Geräusche des Windes, konnte man leider keine aktiven Fische ausmachen oder hören. Allerdings bemerkte ich sie Anhand meines schreienden Bissanzeigers und genau dies passierte in dem Moment. Der tiefste Spot auf 9 Metern brachte wieder Aktivität. Schnell schlüpfte ich in die Wathose und schnappte das Boot. Die größte Herausforderung war mit dem Boot vom Ufer weg zu kommen.

Der Kampf mit der Natur!
Der Kampf mit den Wellen!

Der Fisch hatte eine enorme Kraft, er machte keinen Schlag und stand fest am Grund, ich glaubte in der Zwischenzeit schon an einen Hänger, dann bewegte er sich aber doch wieder ein Stück. Kaum hatte ich einen Meter an Schnur gewonnen, riss er sie mir wieder von der Rolle. Der Kampf dauerte schon eine gefühlte Ewigkeit, nicht einmal hatte ich den Fisch noch gesehen. Dann, in etwa 1.5-2 Meter Wassertiefe, erkannte ich erstmal die Umrisse – ein massiver Körper kämpfte am anderen Ende der Schnur. Genau beim Kescherversuch erhaschte ich eine Windböe und schon flog der Kescher ins Wasser, ich griff schnell nach und konnte ihn gerade noch erwischen – Glück gehabt! Nach dem kleinen Schock gelang es mir dann aber endlich den Fisch sicher zu landen! Definitiv der härteste Fight des Trips.

Ein starker 20+am Morgen...
Ein starker 20+ am Morgen…
...vertreibt Kummer und Sorgen!
…vertreibt Kummer und Sorgen!

Der Start in den Tag war optimal gelaufen. Auch der Wind flaute gegen Nachmittag vorerst etwas ab. Ich nutzte die Bedingungen und machte alle Ruten erstmal neu. Keine Stunde war vergangen, ehe ich die letzte Montage am Gewässergrund platzierte, da kam der nächste Biss. Ich hatte den Fisch relativ schnell an der Oberfläche, ein kleinerer Schuppi kam zum Vorschein und fand Platz im Kescher.

Yess! Sicher gelandet!
Yess! Sicher gelandet!
Einer der kleineren Fische!
Einer der kleineren Fische!

Bereits im Drill wurde der Wind wieder stärker, kontinuierlich nahm er weiter zu. Am späten Nachmittag hatte er dann die Spitze erreicht. Ständig schwemmte es loses Kraut an, fast stündlich konnte ich die Schnüre davon befreien.

14 (2016 x 1134)Die Nacht brachte zwar keinen Fisch, aber trotzdem musste ich ständig raus und die Schnüre befreien. Irgendwann nach Mitternacht wurde es mir dann zu blöd und ich holte die Ruten ein. Jetzt konnte ich zumindest ein paar Stunden schlafen.

Die Windapp behielt Recht, ich erwachte bei Sonnenschein und Windstille.

26 (2208 x 1656)Es war wie im Märchen, ruhiges Wasser lag vor mir und man konnte die Tierwelt wieder hören. Zu aller erst legte ich jetzt mal die Ruten aus, die lagen nach der Nacht ja noch im Trockenen. Nach den letzten stürmischen Tagen lernte ich die Ruhe am Wasser jetzt erst richtig zu schätzen, ich kontrollierte alle Plätze zusätzlich noch mit Unterwasserkamera. Anfänglich war überall noch leichtes Bodenkraut, mittlerweile glich alles einem umgepflügten Acker! Der Tag war traumhaft, auch der Hund hatte wieder Spaß und genoss die Zeit.

Sie übte sich am Fischfang!
Sie übte sich am Fischfang!

In den letzten Tagen war sie nur selten aus dem Zelt gekommen. Nachmittags war dann wieder Beiszeit! Der R3 schrie im Dauerton. Meine Schatz stand gerade daneben, ich drückte ihr erstmal die Rute in die Hand und holte das Boot. Der Fisch biss im Seichten, die Krautschlacht wollte er sich scheinbar sparen, denn er schwamm sofort in den tieferen, freien Bereich. Meine Freundin gab die Rute nicht aus der Hand, sie hatte Mühe den Fisch an die Oberfläche zu pumpen. Im klaren Wasser sah ich ihn dann erstmals, mir stockte der Atem – ein bomben Fully hing am Haken. Ich wusste von einem gewichtigen Fully in dem See, der Größe nach zu urteilen musste er es sein. Am liebsten hätte ich die Rute an mich genommen, keine Chance sie wollte den Fisch fertig drillen. Immer wieder tauchte er ab und riss Schnur von der Rolle. Meine bessere Hälfte leistete super Arbeit und brachte den Fisch nach etwa 30 Minuten das erste Mal auf die Oberfläche. In Blitzgeschwindigkeit schob ich den Kescher unter den Fisch und ließ einen Jubelschrei los. Er war es wirklich, der große Fully Scaled! Beim Fotografieren müsste ich ihn dann halten, da war er meinem Schatz doch zu schwer!

Einfach Traumhaft!
Einfach Traumhaft!
Absoluter Ausnahmefisch!
Absoluter Ausnahmefisch!

Es war einfach nicht zu glauben was da abging! Zur Feier des Tages gab es dann was Gutes vom Grill.

10 (2016 x 1512)Abends wurde das Ganze dann noch mit etwas Wein begossen, ehe ich voller Zufriedenheit in den Schlaf versank. Zwei Stunden nach Mitternacht, weckte mich dann mein Bissanzeiger mit einem Dauerton. Rute hoch und ab ins Boot, der Fisch biss auf 9 Metern. Dort stand er auch und ließ sich langsam hochpumpen, im Schein der Kopflampe kam ein weiterer Fully hoch. Etwas kleiner, aber wieder traumhaft schön.

Fully...
Fully…
...time!
…time!

Wahnsinn! Zwei solche Ausnahmefische innerhalb weniger Stunden und das auf einem öffentlichen französischen Stausee. Ich war einfach nur Happy! Das morgendliche Frühstück schmeckte nach all dem Geschehenen und bei traumhaftem Sonnenschein, dann gleich doppelt gut.

6 (1656 x 1134)Auch die Tierwelt erwachte und schien den Tag zu genießen.

20160510_151739 (2016 x 1134)18 (2208 x 1656)Mein Nachmittags-Fisch blieb diesmal leider aus. Mit dem bisherigen Resultat und einem traumhaften sonnigen Tag, konnte ich aber ganz gut damit leben. Alles was noch kommen würde war sowieso nur mehr reine Draufgabe. Es war gerade dunkel geworden, da rückte ich schon wieder aus. Jetzt liefen die tiefen Plätze wieder besser. Ein weiterer Fisch mit enormer Kraft kämpfte am Ende der Schnur. Beim ersten Anblick traute ich meinen Augen nicht – ein weiterer Fully. Ich hatte bereits eine Vermutung, als ich den kapitalen dann im Kescher begutachtete bestätigte sich diese. Es war doch tatsächlich nochmal der große Fully. Der Fisch hatte zweimal innerhalb von etwa 30 Stunden gebissen. Da läuft man so einem Fisch oft ein Leben lang nach und dann beißt er innerhalb kürzester Zeit zweimal und das auf einem Stausee dieser Größe! Mein Futter schien ihm scheinbar zu schmecken, diesmal biss er aber etwa 400 Meter entfernt vom anderen Platz. Ich ersparte ihm das Prozedere, immerhin hatte ich bereits 30 Std davor tolle Tagfotos gemacht und entließ ihn wieder in die Tiefen des Gewässers. Die Nacht war produktiv, noch bevor es hell wurde folgte ein weiterer Biss. Zur Abwechslung wieder im Seichten. Alleine am Boot war es wieder ein Kampf auf Biegen und Brechen, etliche Male musste ich die Rute zur Seite legen und mit der Hand die Schnur vom Kraut befreien. Im Schein der Kopflampe konnte ich vorerst nichts erkennen, das Wasser war trüb durch die aufgewirbelten Schwebeelemente im Kraut. Nach weiteren “Gärtnerarbeiten“ lag er dann endlich auf der Oberfläche. Es war ein dicker Spiegler!

Spieglerbombe!
Spiegler waren seltener!

Trotz der relativ anstrengenden Nacht, war ich bereits früh morgen wach. Während meine Freundin noch im Land der Träume war, saß ich bereits am Ufer und genoss den Sonnenaufgang. Ich liebe diese Momente, wenn die Sonne langsam am Horizont hochkriecht und Licht, Wärme und Leben in die Welt bringt. In Gedanken versunken, belebte mich plötzlich mein kreischender Bissanzeiger. Ab ins Boot und zum Fisch! Der Platz auf 9 Meter Tiefe hatte Aktion gebracht. Mit gebogener Rute stand ich mitten am ruhigen See und versuchte mein Gegenüber zu bändigen. Es viel mir enorm schwer, der Fisch schien Kraft ohne Ende zu haben. Trotz fast geschlossener Bremse, nahm er immer wieder die nötigen Zentimeter von der Rolle, um ins schützende Kraut zu kommen. Nach gefühlter Ewigkeit bekam ich ihn dann erstmal zu Gesicht – ein langer mächtiger Schuppi hatte sich meinen Hakenköder geschnappt. Beim erneuten Abtauchen setzte er sich dann plötzlich fest – ich versuchte alles, bekam ihn aber nicht frei. Nachdem ich die Rute kurz zur Seite gelegt hatte, ging ich aufs Ganze – Schnur in die Hand und los. Ein kurzer Ruck und der Fisch war frei – nochmal Glück gehabt! Gleich darauf schlossen sich dann die Maschen des Keschers um den mächtigen Schuppi.

So kann der Morgen...
So kann der Morgen…
...beginnen!
…beginnen!

Jetzt war erstmal frühstücken angesagt. Nach so einem Fisch und bei dem traumhaften Wetter schmeckte es gleich doppelt gut. Etwas Wehmut war aber mit dabei, denn es war der letzte volle Tag dieses Urlaubes. Wir genossen den Tag und das vorerst schöne Wetter in vollen Zügen.

29 (2208 x 1656)27 (2208 x 1656)Am Nachmittag kamen dann Wolken auf und es begann kurz darauf zu regnen. Der fast schon obligatorische Nachmittagsfisch blieb aus. Aufgrund der langen bevorstehenden Fahrt, suchten wir unsere Liegen bereits früher als sonst auf. Obwohl meine bessere Hälfte noch versuchte das ein oder andere Wort mit mir zu wechseln, schlief ich sofort ein. Ich war gerade irgendwo im Traumland, als mich mein läutender Bissanzeiger um 5 Uhr früh zurück in die Realität brachte. Der seichte Platz auf 1 Meter Tiefe hatte den Erfolg gebracht. Der Fisch schwamm das seitlich gelegene Ufer an, als ich mit dem Boot dort ankam, traute ich meinen Augen nicht. Da stand seelenruhig ein riesen Spiegler im halben Meter tiefen Wasser – es wirkte, als würde er auf mich warten. Nicht einmal die Kopflampe oder das Boot störten ihn vorerst, als mich der Fisch dann realisierte startete er allerdings die erste Flucht mitten in das dichte Kraut. Schon beim ersten Anblick kam mir der Spiegler bekannt vor, ich hatte bei einem vergangenen Trip an diesem See bereits einen ähnlich Koloss gefangen – damals mit 27 KG! Aber jetzt musste ich den Fisch erstmal in den Kescher bekommen. Ständig stellte er sich ins Kraut, ehe ich ihn mühsam wieder hoch pumpte. Es fühlte sich an, als würde ich einen Sack Zement hochziehen. Nachdem sich dieses Spiel etliche Male wiederholte, war ich schnell genug und schob den Kescher unter den Brocken. Ich hatte Recht, es war tatsächlich der selbe Fisch.

Bomben-Spiegler...
Bomben-Spiegler…
...zum Abschluss!
…zum Abschluss!

Schön anzusehen, dass es ihm gut ging, auch zugelegt hatte er etwas. Nachdem ich den Spiegler wieder seinem Element überlassen hatte, versuchte ich noch etwas Schlaf zu bekommen. Schließlich würde mir jede Minute, die ich länger schlafe, bei der Heimfahrt zu Gute kommen. Etwas wehmütig packte ich dann alles zusammen und belud das Boot. Aber wie heißt es nun mal – wenn es am schönsten ist, sollte man aufhören!

Bereit zur Heimfahrt!
Bereit zur Heimfahrt!

Der große Spiegler war der Abschlussfisch und rundete eine unfassbar erfolgreiche Session ab. Ich konnte 22 Karpfen fangen, ganze 10 Stück überschritten die 20 Kg Grenze! Noch heute fehlen mir etwas die Worte für das Geschehene, ständig schwebe ich in Erinnerungen an diese traumhaften Tage!

Dream Team!!!!
Dream Team!!!!

Viel Spaß am Wasser,

ecki

%d Bloggern gefällt das: