Am letzten Drücker…

Es war mal wieder klar, seit langem konnte ich mir ein langes Wochenende frei räumen und es gießt wie aus Kübeln. Die gesamte Fahrt über und natürlich auch während des Aufbauens, Loten und Füttern per Spod Rute, blieben die Schleusen geöffnet. Als alle Ruten ihren Platz gefunden hatten, sind einige Stunden im Dauerregen vergangen und ich war ausgekühlt und nass. Aber so ist es eben.

Die erste Nacht verlief ohne nennenswerte Vorkommnisse, auch der Morgen war ruhig. Also begann ich wieder von vorne. Neu beködern die Distanzen mittels Distance Sticks auf die Ruten übertragen, einklippen, werfen, füttern. Natürlich alles im strömenden Regen. Am Nachmittag lief dann die erste Rute ab. Leider setzte sich der Fisch unter Wasser fest und ich konnte nach einem erfrischenden 14 Grad Bad nur mehr das Rig bergen. Der restliche Tag verlief dann wieder ruhig. Erst in den frühen Morgenstunden meldete sich mein Bissanzeiger wieder. Und nach unspektakulärem Drill konnte ich einen schönen Spiegler der 15+ Marke landen.

DSCN9798 (1520 x 1140)DSCN9800 (1162 x 1041)DSCN9808 (1520 x 1140)„Endlich entschneidert. Jetzt sind die Fische am Futterplatz…Jetzt geht’s los…“ Irrtum! Das war der letzte Biss für die nächsten zwei Nächte.

Ich beschloss also trotz anhaltenden Regen, für die letzte Nacht noch den Platz zu wechseln. Die Entscheidung fiel mir schwer, da erstens der Regen nicht gerade angenehm war, und zweitens ich den Bereich doch anständig gefüttert habe. Aber bereits vom ersten Abend an sah ich am gegenüber liegenden Ufer, direkt am Schilf, immer wieder richtig fette Fische springen.  Also kratzte ich noch einmal all meine übrig gebliebene Motivation zusammen und packte den ganzen nassen Krempel in meinen Bus und wechselte die Seiten. Als ich am anderen Ufer ankam sah ich gleich wieder einen Fisch aufsteigen und schon war für mich wieder alles in Ordnung und mein Motivationslevel stieg wieder in den grünen Bereich.

DSCN9847 (1520 x 1140)DSCN9859 (1520 x 1140)Die Location war am neuen Platz nicht sehr aufwendig da ich vor hatte alle drei Ruten direkt am Ufer an unterschiedlichen Plätzen zu präsentieren. Ich kontrollierte ob die Plätze auch frei von Schlamm und Kraut bzw. Algen waren und legte die Ruten vorsichtig ab. Eine Schaufel Partikel Mix und eine Hand voll zerbrochene 4G- Squid Kugeln und schon war alles fertig.

DSCN9875 (1520 x 1140)DSCN9809 (1520 x 1140)Ich war eigentlich sicher bereits in der Dämmerung den ersten Fisch zu fangen. Leider war das zu optimistisch. Sie rollten und sprangen zwar in meinem Bereich aber scheinbar waren sie nicht in Fresslaune. Ich schlief dann bald ein und wurde mit einem fürchterlichen Gefühl im Bauch wach. Es war schon sechs Uhr morgens und ich hatte noch immer keinen Fisch. „Na super, das wars dann jetzt!“ dachte ich und drehte mich noch einmal auf die Seite, als plötzlich die linke Uferrute mit High Speed ablief. Ich sprang aus der Liege und rannte ohne Schuhe durch den nassen Schotter und nahm die Rute auf. Sofort habe ich gemerkt, dass es sich hier um einen Dicken handelt.

Meterweise riss er Schnur von der Rolle, innerhalb kürzester Zeit war der Fisch im Freiwasser und ein spannender Drill begann. Die Uferkante fällt steil auf 9 Meter ab, somit hatte der massige Fisch schnell einiges an Wasser über sich, gegen das es nun galt zu arbeiten. Als ich Ihn dann über die Maschen des Keschers zog war ich hell auf erleichtert, hakte den schönen Schuppi ab und ließ ihn vorerst in die Retainer Sling rutschen. Ich habe mir schwer getan, schlaftrunken und in schummrigen Dämmerungslicht das Gewicht zu schätzen aber so um die 18-20kg würde er schon haben. Ich bereitete alles auf ein Fotoshooting vor  und wartete noch kurz bis die Sonne heraus kam bevor ich meine Beute wieder aus dem Wasser holte. In der Cradle sah er gleich etwas größer aus als im Kescher und als sich die Waage bei 27kg einpendelte dachte ich erst ich steh auf der Schnur oder bin irgendwo eingehakt. Aber nachdem ich Ihn ein weiteres Mal wog und die Waage kontrollierte stand es Fest. Die Ufergranate wog abzüglich der Schlinge 25,20kg.

S1080017 (1985 x 1116)Ich konnte es nicht fassen und freute mich wie ein Schneekönig, war es doch mein schwerster Fisch in dieser Saison und das nach einer wirklich anstrengenden Regensession.  Nach einem nassen Move, für eine Nacht, nur drei Meter vom eigenen Ufer entfernt.

S1080019 (1985 x 1116)S1080020 (1985 x 1116)Ich machte schnell ein paar Fotos mit Selbstauslöser und ließ ihn wieder in sein Königreich zurück.

Oft geht es einfach nicht um die großen Futtermengen, die ausgefeiltesten Rigs oder teuersten Köder, sondern einfach nur darum im Richtigen Moment schnell und flexibel am Wasser zu sein und seinem Gefühl zu vertrauen.

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Tight Lines und Take Care!

 

Thomas Haderer

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