Pech und Segen

Pech und Segen liegen oft sehr nah beisammen, so auch bei meiner letzten Overnight- Session an meinem Hausgewässer. Da der Teich nur etwa 20 Minuten Autofahrt von meinem Wohnort entfernt liegt, konnte ich es in den letzten Wochen schaffen die Plätze unter Futter zu halten. Ich fuhr jeden zweiten Tag ans Wasser und fütterte meine vier Spots jeweils mit etwa 2kg 4G-Squid Frozen Sinkern und 3-4kg Partikelmix. Als ich dann endlich mal wieder Zeit hatte eine Nacht zu angeln, konnte ich es nicht erwarten die Früchte meiner Futtertaktik zu ernten.
Ich kam um 17.00 an meinem Platz an und begann sofort meine Ruten aufzubauen und legte die erste Rute ab. Ein Ufernaher Spot, ein freier Platz mitten im Kraut. Die zweite Rute kam zum Ausläufer einer Felsschüttung, die dritte an ein verkrautetes Plateau in fünf Metern Tiefe und die vierte Rute platzierte ich in einem Krautloch in nur 1.5 Metern Tiefe. Ich beschloss im Vergleich zu der Vorfütterung nur wenig zu füttern also warf ich bei jeder Rute nur eine Hand voll Boilies direkt aufs Rig. Ich war mir sicher, das die Fische meine Plätze besuchen würden und wenn ich nun zu viel füttern würde, sinkt die Wahrscheinlichkeit das einer der Fische meinen Hakenköder erwischt.

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Ich habe meine Montagen wie immer gewählt, sehr klassische No Knots mit Line Aligner und einem Rig Ring am Schenkel eines Fang X Größe 6. Als Köder verwendete ich natürlich die gefütterten 4G- Frozen in 20mm. Drei mit einem Schneemann und eine Rute mit einem Pop Up.

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Als ich gegen 18.30 mit dem Auslegen fertig war machte ich es mir gemütlich und genoss die Abendstimmung. Aber bereits nach wenigen Minuten der Ruhe lief die linke Uferrute ab und ich konnte nach einer Holz- Befreiungsaktion einen herrlichen Schuppi mit 18kg in die Cradle wuchten.

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Das war mal ein guter Anfang. “So kann es weiter gehen…“ dachte ich, und kurz nachdem ich die Rute wieder abgelegt hatte, kam schon der nächste Biss auf der rechten Rute. Ich sprang ins Boot, nahm den Fisch an und ruderte ihm entgegen. Leider ist die Schnur schon am Weg zum Fisch im dichten Kraut gesteckt also versuchte ich während der Fahrt mit starken schlagen die Schnur aus dem Kraut zu schnalzen. Leider bemerkte ich nicht, das meine Rute nicht gut zusammen geschoben war also machte es einen lauten Knall und ich hatte eine sauber über der Steckverbindung gebrochene Rute in der Hand. Ich wollte mich aber nicht damit beschäftigen, da ja der Fisch noch am anderen Ende dran war. Also schnappte ich mir die  Schnur und versuchte den Drill von Hand zu beenden, aber nach wenigen Minuten konnte ich nur noch mein Rig in einem Riesen Krautbüschel bergen.

Ich war furchtbar verärgert, hatte ich ja keine weitere Rute mehr mit. Aber zum Glück gab es ja noch drei andere Ruten. Die Nacht zog herbei und kurz nachdem ich endlich eingeschlafen war, wie kann es auch anders sein, lief die Rute bei der Steinschüttung ab. Ein unspektakulärer Drill bescherte mir einen kleinen Spiegler mit toller Schuppenzeichnung. Ich ersparte uns beiden das Fotografieren und ließ ihn zurück. Ich legte die Rute neu aus und ruderte zurück ans Ufer. Ich war furchtbar müde und sank sofort wieder in den Schlaf, aber nein, es sollte nicht sein. Als ich gerad einschlief biss der nächste Fisch auf derselben Rute. Er war aber nicht gehakt , er hat lediglich das Blei aus dem Clip gezogen und so kam kurz nach dem Run schon ein Faller und ich kurbelte die Montage ohne Wiederstand herein. Auch das kommt vor. Ich war mir sicher eine Schule kleiner Fische am Platz zu haben und entschied nicht mehr auf den Platz zu legen. Ich wollte nur mehr ins Bett und war mit den bisherigen vier Bissen zufrieden.  Schlaftrunken warf ich die Rute nur wenige Meter vor meinem Boot an die Uferkante und streute noch ein paar Kugeln dazu. Das ist der Back Up Platz für genau diese Situationen, an denen man zu faul ist raus zu rudern aber die Rute trotzdem an einem gefütterten Platz liegen haben möchte. Endlich wieder in der Liege begann ein Froschkonzert wie es denke ich nur an unserem Teich möglich ist. Ich konnte ewig nicht einschlafen.
Irgendwann gelang es mir dann doch und ich fühlte mich als hätte man mich im Schlaf geschlagen als ich von den ersten Sonnenstrahlen geweckt wurde. Aber als ich zu den Ruten schaute und die Plateau- Rute ablief war davon nichts mehr zu spüren. Wie der Blitz sprang ich auf und hatte Sekunden später schon die gekrümmte Rute in der Hand. Auch der Drill war nicht sehr aufregend, was aber an unserem Gewässer selten der Fall ist, da es eher Bergungen aus dem Dichten Kraut sind als Distanz Fluchten mit rauchenden Bremsen. Ich zog also wieder von Hand die Schlagschnur nach oben. Zuerst kam ein Riesen Krautknödel nach oben als ich es ein bisschen auflöste sah ich einen massiven Schuppenkörper darunter vorblitzen. Schnell griff ich zur Rute, ging auf Spannung und schob den Kescher unter ihn.
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Ein sehr schöner Schuppi aus dem Kraut und erst beim zurück rudern wurde mir bewusst das es sich bei dem Fisch um den fünften Biss handelte. Unglaublich! Ist es bei uns doch eigentlich nicht üblich so viele Bisse in nur wenigen Stunden zu haben. Mir persönlich ist es zumindest in den letzten vier Jahren nie gelungen. Nachdem ich den Fisch versorgt und zurückgesetzt hatte, brachte ich die Rute noch einmal aus. Als ich dann wieder ans Ufer kam sah ich es. Der schlimmste Fehler der einem passieren kann. In meinem Halbschlaf in der Nacht habe ich die Uferrute auf den Bissanzeiger gelegt und nicht bemerkt das die Schnur außen daran vorbei lief. Sofort nahm ich die Rute auf und merkte das aus den maximal 5 Metern die ich die Rute geworfen habe etwa 40 Meter geworden sind. Leider war der Fisch nicht mehr dran, aber zum Glück konnte ich das Rig ohne Probleme einkurbeln.

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Mit den Fischen war ich überglücklich, und auch zu wissen das sowohl meine Taktik als auch mein Futter perfekt funktionieren stimmte mich sehr optimistisch. Der Rutenbruch und die traurige Tatsache das ich nur 50% meiner unglaublichen sechs Runs in nur 15 Stunden Verwerten konnte, ließ das Blut in meinen Adern kochen. Aber das gehört nun mal dazu, wichtig ist nur das man daraus lernt und am besten nie einen Fehler zwei mal macht.

Take care & tight lines,

Thomas Haderer

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