Der erste Schnee

Der Herbst soll ja angeblich die Zeit der dicken Fische sein. Auch wenn ich nur für mich persönlich sprechen kann, war das in den letzten Jahren eher nicht der Fall. Meistens lief es bis Ende September sehr gut und dann schien es, also ob die Fische einfach nicht mehr fressen. Die Weißfische waren dafür meistens umso aktiver und räumten jeden Futterplatz in ein paar Stunden leer. Die Kugeln konnten noch so hart sein, es blieb nichts übrig. Das allabendliche einsetzen der einzelnen Piepser des R3 verriet das rege Treiben unter Wasser, doch von Karpfen keine Spur. Es wurde natürlich wie immer viel gefachsimpelt über diesen Umstand, zu einer schlüssigen Theorie kam es jedoch nie. Vielleicht bekommen die Fische über das Jahr verteilt einfach genug Futter und sind dann im Herbst einfach nicht mehr darauf angewiesen zu fressen, vielleicht aber spielt der Angeldruck doch eine viel größere Rolle wie gedacht, wenn man bei einem großen Natursee ohne Angelplätze überhaupt von Angeldruck sprechen kann. Wer weiß was unter Wasser passiert, aber vielleicht ist genau das, dass Schöne am Angeln.

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Eine frisch eingetroffene Lieferung der neuen Key Cray Boilies gab mir dann aber Anfang November doch noch mal einen Motivationsschub mein Glück herauszufordern. Ich entschied mich nicht vorzufüttern, das Wasser hatte bereits knapp unter 11 Grad und die Spots standen das ganze Jahr massiv unter Futter. Wenn die Fische in der Bucht sind, dann kann ich sie auch ohne großes Vorfüttern fangen, so der Plan. Der hohe Luftdruck versprach zu sinken und ein zusätzlicher Urlaubstag, um das Wochenende etwas zu verlängern, war auch schon eingereicht.

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Die erste Nacht brachte einen kleinen Schuppi, welcher mir Hoffnung auf mehr machte, doch dann passierte 24 Stunden lang rein gar nichts. Der andauernde Regen tropfte unaufhörlich auf die kleine Holzhütte in der meine Emperor steht und der See stieg um gut 20 Zentimeter an. Es war am zweiten Abend gegen Mitternacht, der Regen ließ etwas nach und wie aus dem Nichts bekam ich einen Run auf der Rute, die direkt am Fuße eines Plateaus lag. Der Fisch kämpfte stark und zog mit mir im Schlepptau seine Bahnen durch die Bucht. Im Schein der Kopflampe konnte ich den Kampf dann für mich entscheiden und freute mich riesig über einen wunderschönen Spiegler im Herbstkleid.
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Die Montage legte ich dann wieder auf Ihren Bestimmungsort und konnte danach die ganze Nacht zufrieden durchschlafen. Nächsten Morgen aufgewacht traute ich meinen Augen kaum. Das Wetter hatte wieder umgeschlagen und zwischen dicken Regentropfen machten sich auch einige Schneeflocken breit. Es war ohnehin mein letzter Angeltag, also machte ich mich daran meine Sachen zu packen. Gegen Mittag erreichten die kurzen Schneeschauer dann ihren Höhepunkt und plötzlich bekam ich auf der Uferrute einen zaghaften Biss.

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Ich stieg ins Boot und ließ mich vom Fisch aus der kleinen Schilflücke ziehen. Nach ein paar Minuten war klar, dass es einer der großen Fische sein musste, welcher ganz langsam aber mit stetigem Druck seine Bahnen unter meinem Boot zog. Die 20 Meter Schlagschnur waren immer noch nicht auf der Rolle und die Schnur ging schon senkrecht vom Boot in Richtung Wasseroberfläche. Mehrmals wechselte der Fisch seine Richtung und suchte nach einer Möglichkeit den unliebsamen Haken wieder los zu werden. Dies gelang ihm jedoch nicht und ich konnte mir einen kleinen Siegesschrei nicht verkneifen.

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Einer der alten Garde.

Massiv und vollgefressen nahm er auf der Cradle Platz und die gelungenen Fotos zaubern mir noch heute ein Lächeln ins Gesicht. Im Herbst ist der Fangerfolg teilweise so wechselhaft wie das Wetter, aber zu Hause fängt man keine Fische.

Alexander Gärtner

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