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„Herbst“ Sternstunde, Fressorgie oder Big Fish Time?

Der Herbst: Zeit für Sternstunden, Fressorgien, Big Fish Time? Diesem Mythos, der fast so alt ist wie die spezialisierte Karpfenfischerei selbst, wollten Markus Rabl, Michael Eisenhuber und Mario Pölzl auf den Grund gehen und verbrachten einige Tage und Nächte an ihrem Hausgewässer. Mario erzählt:
Die Wetterentwicklung der letzten Wochen war nicht unbedingt charakteristisch für die Jahreszeit. Ende September/Anfang Oktober gab es noch spätsommerliche Verhältnisse mit Lufttemperaturen bis 25°C und Wassertemperaturen um die 20°C. Um diese Zeit sind wir zum Abschluss einer erfolgreichen Session noch zur Abkühlung in den See gesprungen! Die Fische waren in dieser Phase jedenfalls sehr aktiv, und nahezu jeder befischte Spot brachte Aktion. Mehrere Fische pro Tag waren keine Ausnahme. Dazwischen betrachteten wir die sich langsam verfärbenden Blätter der Bäume, schauten den Spinnfäden beim Schweben zu und genossen das Wasser, die Sonne und die Wärme in vollen Zügen – goldene Zeiten im „Altweibersommer“!
Der anschließende Temperatursturz läutete eine Phase sehr unbeständigen Wetters ein. Eine Kurzsession Mitte Oktober brachte deutlich weniger Aktivität aber immerhin zwei Fische, darunter auch einen wirklich Guten. Jawohl, geht doch!

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Unsere jüngste Session von 29.10.-6.11.2016 stand nun unter gänzlich anderen Voraussetzungen als noch rund vier Wochen zuvor. Die Wassertemperatur war seitdem um ca. 10°C gefallen, und wettermäßig war außer Schnee so ziemlich alles dabei: Sonne, Regen, Sturm, Frost, Nebel, jeweils einzeln und auch in lustigen Kombinationen – also fast wie im April, nur dass sich das im Frühjahr tendenziell wärmer anfühlt.
Die Spots waren vorgefüttert, und wir fingen auch recht früh in der ersten Nacht den ersten Fisch. Unser Selbstvertrauen stieg in lichte Höhen: Es ist Herbst, es ist angerichtet, und wir werden hier mächtig abräumen…

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Leichte Nervosität hatte sich bereits breit gemacht, bis wir nach einer gefühlten Ewigkeit endlich den zweiten Fisch landen konnten. Schließlich ging es den „Geburtstagsfisch“ von Markus! Dabei waren seit der ersten Aktion keine 24 Stunden vergangen. Wir waren Opfer unserer eigenen Erwartungen geworden und nahmen uns vor, diesbezüglich etwas kürzer zu treten.
Im Schnitt bekamen wir eine Aktion pro Tag, und da waren sie schon wieder, unsere eigenen hohen Erwartungen: Das Gewicht der gefangenen Fische lag zum Teil deutlich unter dem, was das Jahr bisher hergab. Enttäuschung? Nein, eher Demut war angesagt, schließlich lief es bei den anderen Kollegen am See alles andere als gut. Die Fische waren einfach nicht aktiv und zeigten sich auch nicht wie sonst üblich an der Oberfläche.
Am Morgen nach der dritten Nacht wurden wir bei traumhaftem Herbstwetter mit einem wunderschönen Fully belohnt.

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Sonst änderte sich an der Gesamtsituation wenig bis nichts: Ein Fisch in 24 Stunden, immer zur gleichen Zeit, nämlich vormittags, immer am selben Spot und immer in einer ähnlichen Gewichtsklasse. Die Fische hielten sich trotz stark wechselnder Verhältnisse an ihr Programm, egal ob Sturm, Regen oder Sonne, 15°C und Windstille. Was wir auch anstellten, wir bekamen auf keinem anderen Spot auch nur den Hauch einer Aktion. Trotzdem waren wir mehr als froh, überhaupt etwas zu fangen.
Die Heimfahrt wäre ursprünglich für Samstag geplant gewesen. Nach heftigen Interventionen von Michael und einem kurzen Wetter-Check wurde auf Sonntag umdisponiert: Wäre doch gelacht, wenn sich der Sonntagsfisch nicht noch vor Einsetzen des großen Regens ausgehen sollte! Damit hätten wir dann auch Gleichstand, da wir uns beim Drillen abwechseln und Michael als letzter an der Reihe ist.
Als ich nach gewohnt ereignisloser Nacht am Sonntag aufwachte, meldeten meine Sensoren „kalt“, „Regen“ und „Wind“, und ich wollte sofort wieder einschlafen und zu Hause aus diesem miesen Traum erwachen. Das funktionierte aber nicht, also starrte ich an die Zeltdecke und überlegte, wie ich den ganzen Krempel wenigstens halbwegs trocken ins Auto kriegen konnte. So nebenbei fiel mir dabei ein, dass wir eigentlich die ganze Woche nur eine einzige Rute gebraucht hätten…
Michael war nach wie vor voller Zuversicht, obwohl ich mittlerweile beschlossen hatte, in der nächsten Regenpause die Montagen zu bergen und das Weite zu suchen. An einen Run glaubte ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr.
Als der Receiver wenig später die schönste Melodie der Welt spielte, konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen, und ich musste gar nicht erst auf die Diode schauen, um zu wissen: gelb, gleiche Zeit, selbe Rute, selber Spot,…
Michael stand mittlerweile mit heftig gekrümmter Rute im Regen – in Socken! Der Fisch zog wie eine Dampflock in Richtung versunkene Bäume und Michael versuchte, ihn in eine andere Richtung zu dirigieren. Nachdem die ärgste Gefahr gebannt schien, sprangen wir ins Boot. Als der Fisch tief unter uns seine Bahnen zog, war bald klar: der spielt in einer anderen Gewichtsklasse! Und als er schließlich nach hartem Kampf erschöpft im Kescher stand, war endgültig Monsteralarm angesagt, den die Waage später auch bestätigen sollte.

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Was sich gefühlsmäßig nun bei uns abspielte, braucht wohl keine nähere Beschreibung, und die kurze Regenpause beim Fotografieren machte alles perfekt…
Fischen ist in vielen Aspekten trotz aller Weiterentwicklungen ein Mysterium geblieben – erfreulicherweise! Wenn Erfolg (oder Misserfolg) immer planbar und vorhersehbar wäre: Würde uns nicht etwas Entscheidendes fehlen? Warum die Fische immer um die gleiche Zeit auf den selben Spot kamen: Wir wissen es nicht. Ebensowenig, warum nur die steinharten 24er Wafters Fische brachten. Und schon gar nicht, warum sich auf den übrigen Spots bis auf den allerersten Fisch der Session absolut nichts tat. Der Herbst? Natürlich auch eine Zeit für Sternstunden, aber es muss eben, so wie im restlichen Jahr auch, einiges zusammenpassen. Ein mögliches Erfolgsrezept für alle Lagen? Am Wasser sein und nicht aufgeben, auch wenn es einmal nicht nach Wunsch läuft!

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Tight lines
Markus, Michael & Mario

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