Skip to content

Frühling in Südfrankreich!

Es war mittlerweile bereits Mai, mein Angelkonto zählte jedoch gerade einmal 8 Nächte und die verbrachte ich an einem Stück in Frankreich – fast unvorstellbar, so wenig hatte ich selten bis gar nicht geangelt. Ich hatte heuer zwar etwas weniger Zeit als die Jahre davor, trotzdem war dies nicht der Hauptgrund für die wenigen Nächte. Ich hatte komplett auf die vielen einzelnen Nächte und Wochenenden auf den Gewässern in meiner direkten Umgebung verzichtet – der Grund? Ich hatte einfach den Reiz an diesen Gewässern verloren. Sie weißen zwar einen Bestand auf wie man ihn selten auch nur irgendwo anders findet, allerdings sind sie auch dementsprechend stark frequentiert, Neid und Missgunst stehen ganz oben auf der Tagesordnung. Allessamt Gründe, die mein Fernbleiben leicht erklären. Der Gier nach Großfischen ist kleiner geworden und mein Ruf nach Freiheit immer lauter.

Um meine Angelei so ausleben zu können, wie ich sie mir vorstelle, machte ich mich im Mai wieder für zwei Wochen nach Frankreich auf. Ich entschied mich für einen der vielen großen Stauseen. Zusammen mit meiner zwei und Vierbeinigen Gefährtin, starteten wir den Trip.

Die 13 Stunden Autofahrt vergingen wie im Flug, die Vorfreude war riesig.

Wir erreichten unser Zielgewässer gegen Mittag – keine 2 Std später saßen wir bereits im Boot und steuerten einen der ausgewählten Plätze an.

Alles aufgebaut – jetzt war entspannen angesagt 😉

Französische Freunde erzählten mir von sehr zähen vergangenen Wochen, ich war trotzdem positiv gestimmt. Bereits im Vorhinein nahm ich mir eine aktive Angelei vor, länger wie 3 Tage ohne Aktion wollte ich auf keinem Platz verbringen. Der erste Platz schien wie ausgestorben, weder eine Aktion, noch irgendwelche Fischaktivitäten waren zu verzeichnen. Nach 3 Tagen zog ich weiter, zusammen mit Freundin und Hund war es doch mühsamer als erwartet. Die neue Platzwahl fiel mir nicht leicht, mehrere 100ha Wasserfläche standen zur Verfügung. Ich entschied mich für einen Platz am Eingang einer großen Bucht – von seichten, krautigen bis hin zu tiefen Bereichen, hatte ich alle Möglichkeiten. Bereits nach der ersten Nacht schwand auch hier meine Motivation, ich saß abends lange am Ufer und beobachtete den See.

Traumhafte Kulisse!

Allerdings war nichts an Fischen auszumachen. Tagsüber fuhr ich große Bereiche des Gewässers mit dem Boot ab, auf der Suche nach neuen Plätzen – ich wurde fündig und wollte bereits am nächsten Tag in einen komplett anderen Bereich des Sees wechseln. Ich machte bereits abends den Großteil fertig um am nächsten Morgen schnell weiterziehen zu können. Die Hoffnungen für die kommende Nacht hatte ich bereits verworfen – zu Unrecht, wie sich kurz nach Mitternacht heraus stellte. Mein R3 schrie förmlich nach Hilfe, der Drill viel kurz aber intensiv aus und so fand sich der erste Fisch des Trips in meinem Kescher.

Ich war richtig happy und der Platzwechsel wurde vorerst verschoben….

Lange wollte ich trotzdem nicht verbleiben, sollten die nächsten Tage nichts einbringen. Trotz des Fisches, hatte ich kein optimales Gefühl auf diesem Platz. Ein Blick auf die Wetter-Vorhersage, prophezeite starken Wind und Regen. Die letzten Tage waren extrem heiß und fast windstill, der Umschwung kam mir sehr willkommen. Die kommende Nacht brachte keinen weiteren Fisch, bereits früh morgens machten wir uns in Richtung des nächsten Platzes auf. Vor allem der vorhergesagte Starkwind bewegte mich dazu. Wir wechselten in einen komplett anderen Seeteil, sollte der Wind wie vorhergesagt kommen, wäre dieser Platz perfekt gelegen. Hatten wir morgens noch Sonnenschein, änderte sich das Wetter kurz darauf schlagartig – ich schaffte es gerade noch alle Ruten auszubringen, ehe ein Unwetter aufzog.

Endlich kam Regen…

Es dürfte wohl gerade den Höhepunkt erreicht haben, da läutete mein R3 im Dauerton. Im strömenden Regen konnte ich einen kleinen Schuppi fangen, den ich gleich vom Boot aus entließ. Der Wind wurde immer stärker und färbte das Wasser braun ein. Es wurde gerade dunkel, als der Regen etwas nachließ – im selben Moment läutete mein Bissanzeiger erneut. Der Fisch zog in den offenen Teil des Sees, hier hatte der Wind noch mehr Kraft und es entstand ein mühsamer Kampf, hohe Wellen klatschten gegen mein Boot und füllten es langsam mit Wasser. Ich blieb Sieger und konnte einen schönen Spiegler über den Kescherrand ziehen.

Der Platzwechsel hatte sich bereits gelohnt!

In den frühen Morgenstunden ließ der Wind nach, auch der Regen endete und sogar die Sonne zeigte sich. Ich war gerade in Gedanken, da pfiff eine weitere Rute ab. Ich genoss den Drill bei ruhigen Bedingungen in der Morgensonne – ein kleinerer Schuppi kam zum Vorschein.

Kleiner markanter Schuppi!

Ich nutzte die Bedingungen um die Ruten neu zu legen, laut Vorhersage sollte es am Nachmittag wieder Sturm und Regen geben. Die Wetter App behielt Recht, die Sonne verschwand relativ schnell und starker Wind zog auf – Regen blieb vorerst aus. Ständig piepsten die Bissanzeiger, immer wieder musste ich die Schnüre von treibendem Kraut befreien. Am frühen Nachmittag war es dann aber kein Kraut, das meinen Bissanzeiger zum Überschlagen brachte. Der Fisch zog mit enormer Kraft stets in die Tiefe, der Wind machte es schwierig mit dem Boot über meinem Gegenüber zu bleiben. Geschätzte 10min waren vergangen und mein Gegner wollte sich nicht annähernd blicken lassen. Meine Vermutungen fielen bereits auf einen Wels. Wenige Minuten später konnte ich dann aber einen breiten Rücken eines Spieglers erkennen – das Keschern im starken Wind gestaltete sich sehr spannend. Nach dem gefühlten hundertsten Versuch, klappte es dann aber doch. Ein guter Spiegler, den ich aber aufgrund des enormen Drills noch größer geschätzt hätte, war das Ergebnis. Nach ein paar Fotos wurde der Fisch wieder seinem Element entlassen.

Unglaublicher Kämpfer!

Der Wind hielt an und mit dem Einbruch der Dunkelheit wurde er auch noch von Regen begleitet. Ich genoss die Stimmung und schlief relativ rasch ein. Die Nacht passierte gar nichts – es wurde gerade hell, da meldete sich ein Bissanzeiger im Dauerton. Das Wetter war komplett konträr zum Vortag, kein Wind, kein Regen, dafür Sonnenschein. Der Fisch war wieder enorm stark, man fühlte wie er sein Gewicht nutzte und langsam über dem Grund entlang schwamm. Immer wieder spürte ich die Kopfschläge in der Rute, alles Anzeichen für einen guten Fisch. Beim ersten Anblick bekam ich weiche Knie, da hing ein richtig dicker Spiegler am anderen Ende der Schnur. Der Fisch bewegte sich kaum von der Stelle, ich gewann ein paar Zentimeter Schnur, ehe sie mir wieder von der Rolle gerissen wurden. Es vergangen etwa 20min, bis der Gigant das erste Mal Kescherbereit vor mir lag. Ich nutzte die Möglichkeit und schob den Unterfänger unter den massiven Körper – ein innerlicher Freudeschrei ging durch meinen  Körper. Beim ersten genauen Begutachten wurde mir bewusst, was für Ausmaße dieser Fisch hatte. Mehr als ein schmunzeln kam mir beim Wiegen nicht aus – über 29Kg brachte der Spiegler auf die Waage….Wahnsinn!!!

Einfach nur…..
….genial!!!!

Ein unglaubliches Gefühl von Zufriedenheit machte sich in mir breit, alles was jetzt noch kam war reine Draufgabe.

Der restliche Tag blieb ruhig und das schöne Wetter hielt an. Ich zweifelte an weiteren Aktivitäten, wurde aber noch vor Mitternacht eines besseren belehrt – der selbe Platz, der mir in den frühen Morgenstunden den Ausnahmefisch brachte, war für die nächste Aktion verantwortlich. Der Fisch schwamm mir vorerst entgegen, stoppte dann an der steilen Uferkante und zog dort seine Bahnen. Wieder waren diese Kopfschläge zu verzeichnen, die Aufregung in mir stieg – hatte ich einen weiteren der Urgesteine aus dem großen Stausee gehakt? Ich drillte bereits eine Weile – keine Chance den Fisch an die Oberfläche zu bekommen. Nach einer weiteren Flucht passierte es dann, plötzlich erschlaffte die Schnur….Ausgeschlitzt!!!! Ich hätte am liebsten die Rute in handgerechte Stücke zerlegt. Aber das ist nun mal Angeln.

Köder meines Vertrauens!

Der Blick auf die Wetter App am Morgen gefiel mir nicht sehr, es sollte wieder richtig heiß werden, von Regen oder Wind war nichts zu sehen. Wir wollten die nächsten Tage erstmal abwarten.

Ob sich noch ein Fisch blicken lässt?

Leider behielt die Vorhersage recht, es wurde enorm heiß. Die folgenden zwei Tage brachten keine weiteren Aktionen ein, das Wetter sollte auch in den nächsten Tagen unverändert bleiben. Wir hatten noch 3 Tage Zeit, kurzfristig entschlossen wir uns einen Gewässerwechsel zu vollziehen. Ich fand nicht mehr viel Sinn hier sitzen zu bleiben, außerdem wollte ich noch andere Ufer sehen. Wir fuhren ein paar Gewässer an, schlussendlich entschieden wir uns für einen Abschnitt der Rhone. Um genauer zu sein, für einen seichten krautreichen Teil, hier sammelten sich die Fische oft zum Laichen.

Neues Gewässer….

Bereits vor Ort erfuhren wir allerdings, dass die Bedingungen nicht optimal waren – kaltes Schmelzwasser drückte in den Abschnitt und dementsprechend wenig Aktivität zeigten auch die Fische. Wir wollten trotzdem eine Nacht probieren – diese brachte nichts, so saßen wir morgens bereits wieder im Auto und zogen weiter. Wir besichtigten weitere Abschnitte der Rhone, nichts gefiel uns allerdings so gut, dass wir geblieben wären.

Schließlich landeten wir an einem kleinen Fluss, es war traumhaft hier.

Glasklares Wasser, viel Kraut und Ruhe, einziges Problem war die Platzsuche. Ich wollte vom Auto aus angeln, für die verbleibenden ein bis zwei Tage war es mir zu mühsam wieder alles in das Boot zu laden und zu überstellen. Mithilfe von Google Earth fuhren wir jede ersichtliche Straße ab, die in der Nachtangelone, zum Fluss führte. Es war zum verrückt werden, der Abschnitt schien so gut wie unzugänglich. Einen Zugang fanden wir, hier wies uns allerdings gleich der ansässige Landwirt darauf hin, dass es sich um Privatgrund handelt und wir hier nicht bleiben könnten. Wir hatten es schon fast aufgegeben, als wir doch noch eine unbefestigte Straße quer durch eine Obstplantage entdeckten. Tatsächlich führte die Straße bis zum Fluss, ein kleiner Durchgang führte dann durch die Büsche bis ans Ufer.

Wir hatten doch noch einen Platz gefunden.

Nach dem ersten Blick ins Wasser, traute ich meinen Augen nicht, direkt vor meinen Füßen tummelten sich unzählige Karpfen und waren voll am Laichen.

Ein wunderschönes…
….Schauspiel….
…der Natur!

Ohne weiter nachzudenken stürmte ich zum Auto und machte die Ruten scharf, ich stellte Reizköder in verschiedenen Tiefen inmitten der Fische.

Ich brachte Farbe ins Spiel….

Die folgenden Stunden waren spannend und interessant, aber die Fische hatten besseres zu tun – ich probierte verschiedene Plätze, Tiefen, Farben und Köder….nichts, nicht mal annähernd ein Fisch hatte Interesse gezeigt. Wir entschieden uns trotzdem eine letzte Nacht hier zu machen, ehe wir die Heimreise antreten wollten. Aufgrund des minimalen Platzes schlief meine Freundin im Auto und ich mit der Liege direkt am Wasser.

Es reichte immerhin für eine Liege.

Ich lag ewig wach, durch die Aktivität der laichenden Fische war es fast unmöglich einzuschlafen – irgendwann schaffte ich es dann doch. Zumindest kurz, denn mein R3 weckte mich. Der Fisch schwamm sofort ins Kraut, ich probierte ihn langsam raus zu bekommen, ständig spürte ich die Schläge in der Schnur. Schritt für sich kam der Fisch aus dem Kraut und dann plötzlich kein Druck mehr, der Fisch war weg.

Trotz der einen Aktion entschieden wir uns am Morgen das Angeln zu beenden und dafür noch am Strand vorbei zu schauen, ehe es dann auf die lange Heimreise ging.

Die schöne….
….Cote D’Azur!

In den letzten Tagen lies ich nochmal alles revue passieren – es waren wundervolle Tage, wir hatten viel erlebt und gesehen und nebenbei auch den ein oder anderen guten Fich gefangen.

Kurz gesagt….es war wieder einmal ein fantastischer Trip 🙂

 

Viel Spaß am Wasser,

ecki

 

 

%d Bloggern gefällt das: